Tesch dreht auf – Ein Winzer mit Hang zur Rockmusik Tesch

Tesch dreht auf – Ein Winzer mit Hang zur Rockmusik

Der als Rock-Winzer bekannt gewordene Martin Tesch hat mit innovativen Ideen neuen Schwung in das fast 300 Jahre alte Familien-Weingut an der Nahe gebracht. Insbesondere von der konservativen Weinszene erntete er harsche Kritik und auch viele Kunden ließen sich anfangs verschrecken. Doch der Erfolg gibt dem promovierten Biologen mittlerweile recht.

 

worlds of food stellt den 42-jährigen Weinbauer in einer 3-teiligen Tesch-Reihe vor. Heute starten wir mit einem kurzen Überblick über sein Schaffen und seine Projekte seit 1997.

Eigentlich ist Martin Tesch Doktor der Biologie und wollte nach dem Studium in der Forschung arbeiten. Doch als er 1997 um die Übernahme des Familien-Weinguts in Langenlonsheim an der Nahe gebeten wurde, zögerte er nicht lange. Es sollte eine neue Ära für ihn und das Weingut beginnen, das  seit 1723 im Familienbesitz nachgewiesen ist.

Back to the roots

Anfangs holzte Martin Tesch im wahrsten Sinne des Wortes aus – aus 30 Hektar Rebfläche wurden elf,  die Anzahl der Rebsorten wurde radikal reduziert, auf genau drei: Weißburgunder, Riesling, Spätburgunder. Entgegen der Bewegung, durch die auch trockene Rieslinge immer süßer und fruchtiger wurden, legte Tesch den Fokus auf eben jene ursprünglichen, trockenen Weine. Die Linie ist geradlinig und klar. Nichts soll den puren Geschmack des Rieslings verändern. Deshalb lagert der Wein Stahlfässern und nicht in Holzfässern, es werden keine modernen technologischen Verfahren beim Keltern eingesetzt und auf eine künstliche Anhebung des Alkoholgehalts wird verzichtet. Das Ergebnis ist ein Wein mit Ecken und Kanten, die auch bei seinem Macher zu finden sind.

Als „Wein sein Lebens“ bezeichnet der Winzer den „Riesling Unplugged“. Der Name drückt die enge Verbundenheit von Martin Tesch mit der Musik aus. Genau wie Unplugged für reine Musik ohne (elektronische) Verstärkung und andere Tricks steht, verspricht das Etikett „Riesling Unplugged“ einen auf dem kleinen Weingut handwerklich hergestellten Wein aus biologischem Anbau.

Tesch im neuen Design

Diese Botschaft vermittelt Martin Tesch durch ein neues Design von Flasche, Etikett und Firmenauftritt, für welches er zusammen mit der Partneragentur sogar einen Preis gewonnen hat. Obwohl es ihm gelungen ist, die Tradition des Weinguts mit einem innovativen Farbkonzept, das der Wiedererkennung des Weines dienen soll, zu verbinden, reagierten viele Kunden und Weinkenner mit Unverständnis und Häme. „Da wurden wir schon als Villa Kunterbunt belächelt.“ erinnert sich Martin Tesch. Und auch als er als einer der ersten von Kork auf Drehverschluss umstellte – was mittlerweile nicht mehr ungewöhnlich ist – trat er einigen auf den Schlips.

Tesch rockt

Durch dieses neue Konzept und seinen Hang zur Rock-Musik fand Martin Tesch nach anfänglichen Schwierigkeiten aber bald neue Kundschaft in der Musikszene. Seit 2004 ist Tesch mit seinen Rieslingen im Backstage-Bereich von Musikveranstaltungen vertreten, wie zum Beispiel bei „Rock am Ring“. Dort entstand auch der Kontakt zu den Caterern der Roten Gourmet Fraktion, mit denen er 2009 zusammen eine ungewöhnliche Weinprobe veranstaltet hat. Mit dem eigens kreierten „Krautwine“ ging es auf eine Stadtrundfahrt durch Hamburg. Angefahren wurden auf dieser „Mundraub-Tour“ neben Sternerestaurants auch Imbissbuden, getreu dem Motto auch hier die Grenzen zwischen bürgerlicher und Gourmetküche zu ignorieren und den Wein für sich zu genießen.

Weißwein: Weißes Rauschen

Auch mit den Toten Hosen verbindet Martin Tesch eine produktive Freundschaft. Seit dem ersten Kontakt im Zuge des Unplugged Albums der Hosen entstanden zwei Weine zusammen mit der Band. Der „Machmalriesling“ und „Weißes Rauschen“ fanden und finden nicht nur bei DTH-Fans guten Absatz. Die Jungs um Sänger Campino waren sowohl bei der Auswahl der Trauben als auch bei der Gestaltung des edlen Flaschendesigns beteiligt und steuerten eine Unplugged Version von ihrem Lied „Weißes Rauschen“ zum Hörbuch „Riesling People“ von Tesch bei.

2007 veranstaltete Martin Tesch die wohl bisher ungewöhnlichste Weinprobe. Mit der „Rolling Riesling Show“ ging er zusammen mit internationalen Musikern und edlen Gitarren der legendären amerikanischen Marke Gibson auf Deutschlandtournee. Bis zu 300 Weinfreunde und Musikfans pro Stadt haben die „Rolling Riesling Show“ besucht. Und auch hier konnte Martin Tesch feststellen: „Es sind nicht nur Freunde klassischer Musik, die sich an unseren Weinen erfreuen“.

Im nächsten Teil unserer Tesch-Reihe kommt der Winzer selbst zu Wort und spricht über seine Auffassung des Berufs und seine Vorstellung von einem guten Wein.

Dieser Beitrag stammt von und dem worldsoffood-Team