Antibiotika im Geflügel – wie kann ich mich schützen? www.istockphoto.com/fotostok_pdv

Antibiotika im Geflügel – wie kann ich mich schützen?

11 Kilogramm Geflügelfleisch isst der durchschnittliche Deutsche im Jahr –Tendenz steigend. Dabei kann er unfreiwillig mit Antibiotika in Kontakt kommen, die in der Geflügelhaltung eingesetzt werden. Wie massiv diese Medikamente etwa bei der Hühnerzucht eingesetzt werden, hat kürzlich eine Untersuchung des nordrhein-westfälischen Agrarministeriums ergeben. Demnach fanden sich in über 96% aller untersuchten Tiere Rückstände von Antibiotika, bei manchen Tieren sogar bis zu acht verschiedene Wirkstoffe.

Dabei unterscheidet sich die Handhabung der Medikamente sehr unterschiedlich. Durchschnittlich 7,3 Tage erhalten die Tiere Antibiotika, bei jedem zweiten Masthähnchen werden sie allerdings nur ein bis zwei Tage eingesetzt – viel zu kurz, um überhaupt eine Wirkung zu erzielen.

Resistente Keime

Die Gefahr bei einer solchen unzureichenden Vergabe liegt in der Bildung von resistenten Bakterien, da widerstandsfähige Erreger eine solche Behandlung überleben und sich danach ungehindert im Tier ausbreiten. Diese Erreger, darunter die gefährlichen, weil nur schwer zu behandelnden  MRSA-Keime (Methicillin-resistente Staphylococcus aureus-Bakterien) können dann wiederum auf anderes Geflügel übergreifen und bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem wiederum schwere Infektionen verursachen.

Die Ergebnisse der Studie legen den Schluss nahe, dass Antibiotika nicht allein zur Behandlung von Erkrankungen verabreicht werden, sondern auch, um ein schnelleres Wachstum des Tieres zu erreichen. Ein solches „Wachstumsdoping“ ist in Europa seit 2006 verboten.

Gefahr für den Menschen

Unmittelbar besteht beim Antibiotika-Einsatz keine Gefahr für den Menschen. Sämtliche Keime, auch die MRSA-Erreger, werden beim Kochen oder Braten abgetötet. Bei der Vorbereitung des Geflügels sind diese allerdings noch vorhanden, laut einer Untersuchung des Robert-Koch-Institutes sogar bei jedem dritten Produkt. Offene  Wunden können sich dabei mit dem Bakterium infizieren, im schlimmsten Fall kann es beim Ausbruch bis zu einer Blutvergiftung kommen.

Darüber hinaus führt die Behandlung in einer Klinik immer wieder zur Ansteckung anderer Patienten. In vielen Krankenhäusern Deutschlands breitet sich der MRSA-Erreger bereits aus und kann mit gewöhnlichen Antibiotika schon nicht mehr bekämpft werden.

Geflügelzucht ohne Antibiotika

Laut der Studie ist die Verabreichung von Antiobiotika in kleineren Betrieben, und solchen, die auf eine überdurchschnittlich lange Mastdauer von bis zu 45 Tagen setzen, nicht so sehr verbreitet. Immerhin 17 Prozent aller Höfe verzichten ganz auf Antibiotika bei der Mast.

Wer als Verbraucher nur auf Geflügel aus Betrieben zurückgreifen will, die dauerhaft keine Antibiotika verwenden, hat es schwer. Denn grundsätzlich ist die Vergabe von solchen Medikamenten gestattet, wenn ein Tierarzt dazu rät. Selbst Hähnchen, die mit dem staatlichen Bio-Siegel gekennzeichnet sind, können also – wenn auch im strengeren Rahmen – behandelt worden sein.

In Bio-Supermärkten, Wochenmärkten oder Reformhäusern findet man auch andere Gütesiegel, wie z.B. „Bioland“ oder „Demeter“. Sie weisen auf ökologische Anbauverbände hin, deren Richtlinien über die des staatlichen Bio-Siegels hinausgehen, also zum Beispiel eine vorbeugende Vergabe von Antibiotika grundsätzlich verbieten. Über die jeweiligen Standards kann man sich beim jeweiligen Verband oder Verkäufer aufklären lassen.

Bester Schutz: Sorgfältige Verarbeitung des Geflügels

Wer bei Verarbeitung und Verzehr von Geflügelprodukten Vorsicht walten lässt, steht auch bei behandeltem Fleisch auf der sicheren Seite. Dazu gehören ein kurzer Transport sowie ein schnelle Zubereitung. Das Fleisch sollte vorher gereinigt und anschließend durchgegart, also mindestens zehn Minuten lang auf eine Kerntemperatur von etwa 75 Grad erhitzt werden. Offene Wunden, also zum Beispiel kleine Schnittwunden, sollten dabei sauber abgedeckt sein. Nach der Verarbeitung muss der Arbeitsplatz unbedingt sorgfältig gereinigt werden.

Der Deutsche Bauernverband und der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft haben bereits angekündigt, den Antibiotika-Verbrauch in den nächsten fünf Jahren um 30 Prozent verringern zu wollen. Bundeswirtschaftsministerin Ilse Aigner hat außerdem schärfere Kontrollen versprochen. Letzten Endes entscheidet aber auch der Verbraucher mit seiner Brieftasche darüber, ob bei den Betrieben ein Umdenken einsetzt.

Dieser Beitrag stammt von und dem worldsoffood-Team