Spanien hat mehr zu bieten als Rioja – Die Weinregion D.O. Rueda D.O. Rueda

Spanien hat mehr zu bieten als Rioja – Die Weinregion D.O. Rueda

Zwei Autostunden nordwestlich von Madrid liegt Spaniens bedeutendste Weißwein-Region: die D.O. Rueda. Nach einer aktuellen Nielsen-Studie ist sie mittlerweile die viertwichtigste Appellation des Landes – und das als fast reine Weißweinregion. Die charakteristischen Verdejo-Weine sind auch im Ausland äußerst beliebt. Angebaut werden die frischen, überraschend fruchtigen Weine auf den kargen Böden Alt-Kastiliens: Im Norden vom Duero Fluss begrenzt, der Lebensader einiger berühmter spanischer Weinregionen, liegt die D.O. Rueda im Zentrum der Region Kastilien und León, nahe der Hauptstadt Valladolid.

Der Tradition verpflichtet

Die D.O. Rueda ist die einzige Weinregion in Europa, die sich dem Erhalt und der Weiterentwicklung der autochthonen Verdejo verschrieben hat. Und das hat Tradition: Bereits im 15. und 16. Jahrhundert gab es ausgedehnte Verdejo-Rebflächen in Kastilien und León. Die widerstandsfähige Traube wurde schon 400 Jahre früher von den Mozarabern aus Nordafrika eingeführt. Während der Regentschaft König Alfonsos VI., der freies Land an alle Siedlungswilligen vergab, begann unter anderem auch der Zuzug von Klöstern, die die Weinproduktion professionell angingen. Mit Erfolg, denn alsbald wurden die mit Kalk geschönten „Weine aus Kastilien“ nicht nur am spanischen Hof getrunken, sondern auch zum Synonym für spanischen Wein überhaupt. Ab 1500 gaben sie dann als so genannte „Vinos de la Tierra de Medina“ einer ganzen Region Arbeit und wurden in den folgenden vier Jahrhunderten europaweit bekannt. 1884 beendete eine verheerende Reblausplage die Erfolgsgeschichte der Verdejo vorerst, da in der Folge überwiegend die schnellwachsenden Sorten Palomino und Virura angebaut wurden.

In den 1970er Jahren machte die Bodega Marqués de Riscal den entscheidenden Schritt zur Revitalisierung der Verdejo: Sie erkannten das Potenzial der Region für den Weißwein-Anbau und errichteten die erste Kellerei in der Stadt Rueda, die heute der D.O. ihren Namen gibt. Zunächst bauten die Riscals die französische Rebsorte Sauvignon Blanc an, die sich ebenfalls gut anpasste. Entscheidend war jedoch die Rückbesinnung auf die traditionelle Verdejo-Traube, womit der Siegeszug der modernen Rueda-Weißweine begann. Andere Winzer folgten dem Beispiel und heute ist die Verdejo die meistangebaute Traube Ruedas. Die meisten Bodegas konzentrieren sich dabei um die Städte La Seca, Rueda and Serrada. 1980 wurde schließlich die Appellation gegründet und die Region als Denominación de Origen – also als kontrollierte Herkunftsbezeichnung – anerkannt. Die Weißweine der D.O. Rueda werden heute auf 11.700 ha angebaut und wieder wie früher vor allem als Verdejo-Weine verstanden, deren fruchtig-frischer Charakter einzigartig ist.

Die autochthone Verdejo-Traube

verdejoUnangefochtene Hauptrebsorte der D.O. Rueda ist die Verdejo. Bekannt ist ebenfalls Sauvignon Blanc und daneben sind auch Viura und Palomino als weiße Rebsorten zugelassen. Die Verdejo-Rebe hat kleine bis mittelgroße, fünfeckige Blätter und Trauben von mittlerer Größe, mit kurzem Stiel. Die runden oder elliptischen, kleinen Beeren haben eher große Kerne, die im Sonnenlicht durchscheinen. Ausgereift schimmert die recht dicke Haut goldfarben.

Die Verdejo-Weine bestechen vor allem durch ihren einzigartigen Geschmack: feine Kräuterwürze mit Spuren von Fenchel und Anis sowie mineralischen Noten werden von fruchtigen Aromen, wie Pfirsich, grünem Apfel, Stachelbeere, Kiwi und Zitrus umspielt. Die gehaltvollen, harmonischen Weine vermitteln ein sattes Mundgefühl und zeichnen sich durch eine attraktive Säure aus. Die fruchtig-frischen Verdejo Weine passen zu nahezu allen Gelegenheiten: als Aperitif, aber auch als Begleiter zu Fleisch und Fisch, zu Pasta und Reis oder zu leichten Saucen und Marinaden.

Raue Sitten

bodenKlima, (Höhen)Lage und Böden der D.O. Rueda fordern den Trauben viel ab, prägen aber gleichzeitig ihren speziellen Charakter. Spätfrost im Frühjahr, Sturm und Hagel in der Blüte- und Reifezeit, Trockenheit im Sommer: Das harte Kontinentalklima mit atlantischen Einflüssen erzeugt in Rueda extreme Witterungsbedingungen. Den kalten Wintermonaten, folgt ein kurzer, kühler Frühling mit häufigen Frösten im Mai. Die Sommer sind kurz, dafür umso heißer und niederschlagsarm. (Im gesamten Jahr fallen ohnehin nur etwa 500 mm, der überwiegende Anteil davon im Frühjahr und Herbst.)

Ruedas Weinberge befinden sich auf der windigen Duero-Hochebene, größtenteils in der Provinz Valladolid, aber auch in Segovia und Ávila. Die kargen, durchlässigen Böden sind kalkhaltig, arm an organischen Nährstoffen, aber reich an Kalzium. Während in der kastilischen Hochebene lehmig-sandige Böden mit geringer Humusdecke dominieren, werden sie in unmittelbarer Flussnähe eher kiesig.

Die Anbauflächen nahe dem Duero Fluss und seinen Nebenflüssen befinden sich im Schnitt etwa auf 550 - 700 Metern Höhe, andere liegen auch auf 950 Metern und höher. Aufgrund des kontinentalen Klimas und begünstigt durch die Höhenlage kommt es etwa 2600 - 2800 Stunden im Jahr zu direkter, intensiver Sonneneinstrahlung und gleichzeitig zu ausgeprägten Tag-Nacht-Unterschieden von bis zu 25 Grad Celsius – was die Fruchtigkeit und die Säurewerte der Weine positiv beeinflusst. Trotz ihrer südlichen Herkunft und der vielen Sonnenstunden weisen sie so Eigenschaften kühl gewachsener Qualitäten auf. Aufgrund dieser Bedingungen reift die Traube reift in der Regel langsam. Erntemenge und -qualität unterscheiden sich von Jahr zu Jahr.

Karte der Rueda
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Dieser Beitrag stammt von und dem worldsoffood-Team