Die Gäste wollen mehr Qualität - Almköchin Rita Schenk im Interview worldsoffood.de

Die Gäste wollen mehr Qualität - Almköchin Rita Schenk im Interview

Rita Schenk, geboren im Südtiroler Örtchen St. Ullrich, kocht seit 25 Jahren im Almhotel Col Raiser im Grödnertal. Mit uns sprach sie über ihre Anfänge, über die traditionelle Südtiroler Küche und darüber, worauf die Urlaubsgäste heute achten.

worlds of food: Frau Schenk, Sie kochen nun schon ein Weilchen hier in der der Küche Ihres Hotels. Können Sie sich noch an Ihre Anfänge erinnern?
ritaRita Schenk: Eigentlich habe ich Kunst studiert, mein Mann brauchte aber jemanden hier für die Küche unseres Hotels. Da kann man auch kreativ sein dachte ich mir und versuchte es einfach. Anfangs griff mir meine Schwiegermutter noch unter die Arme, nach zwei Jahren leitete ich die Küche dann alleine. Ich weiß aber noch, wie ich anfangs mit dem Huhn in den Händen dastand und nicht wusste, was ich damit anfangen soll. Ich habe bei null angefangen. Aber mein Interesse war geweckt. Neben dem Kochen lernen für die Gastronomie, habe ich dann auch noch vier Kinder bekommen, es ging also immer hoch her bei uns auf der Alm.

worlds of food: Was macht die Südtiroler Küche aus, was sind die Spezialitäten der Region?
Rita Schenk: Die sogenannten Bales, also Knödel in allen möglichen Variationen und natürlich die Schlutzkrapfen. Hausgemacht sind diese Teigtaschen, die mit Spinat gefüllt sind, etwas ganz Besonderes. Sie werden aus zwei verschiedenen Mehlsorten, Roggenmehl und Weizenmehl, hergestellt und meistens mit Parmesan und Butter serviert. Die sind auch bei unseren Gästen sehr beliebt. Und die Südtiroler Küche bietet auch eine gute Grundlage, um sich kreativ weiterzuentwickeln.

worlds of food: Sie sprechen Ihre Gäste an. Was hat sich den an den Wünschen und der Ernährung Ihrer Gäste in den letzten 25 Jahren geändert?
Rita Schenk: Heute wird viel weniger Fleisch gegessen, insgesamt auf die Gesundheit mehr Wert gelegt. Vor 25 Jahren gab es ja auch noch nicht so viele Vegetarier. Aber auch was die Qualität der Lebensmittel angeht, wissen unsere Gäste heute wesentlich besser Bescheid. Egal ob Italiener oder Deutsche, die kennen sich schon aus. Das ist gut so, denn ich als Köchin möchte ich ohnehin nur gute, saisonale und frische Lebensmittel verwenden. Zum Beispiel bekomme ich jede Woche einen ganzen Korb mit über 20 frischen Kräutern, die ich sehr gerne in der Küche benutze.

worlds of food: Wo holen Sie sich denn die Ideen, um die traditionellen Gerichte der Region weiterzuentwickeln?
col raiserDas Almhotel Col Raiser (©Val Gardena/Alex Filz)Rita Schenk: Wenn hier bei uns in Gröden keine Saison ist, also an Ostern und Mitte Oktober, besuche ich verschiedene Sterneköche, wie zum Beispiel Hans Haas in München oder Gerhard Wieser im Castel in Meran. Diese Köche sind alle sehr nett, geben Tipps und ich darf dort Fotos machen. Si eins ganz und gar nicht eitel. Von ihnen nimmt man viel mit. Von Hans Haas zum Beispiel seine Art, mit Gewürzen umzugehen. Aber was wirklich auffällt in der Sterneküche ist die viele Arbeit, die dahintersteckt. Die Köche dort kennen quasi keine Freizeit. Und dort arbeiten 15 Leute in der Küche. Das hält mich ein wenig ab, mich in diese Richtung weiterzuentwickeln, obwohl ich sehr ambitioniert bin.

Mehr Infos unter www.colraiser.com

Dieser Beitrag stammt von und dem worldsoffood-Team