Interview mit Winzer Martin Tesch - Teil 1 Tesch

Interview mit Winzer Martin Tesch - Teil 1

Der als Rock-Winzer bekannte Martin Tesch hat mit innovativen Ideen neuen Schwung in das fast 300 Jahre alte Familien-Weingut an der Nahe gebracht. worlds of food stellte ihn bereits näher vor. Im ersten Teil des Interviews erklärt Martin Tesch seine Philosophie von Wein und Winzerberuf.


worlds of food: Was fasziniert Sie am Winzer-Beruf bzw. welche Auffassung haben Sie von diesem?

Martin Tesch: Ich wurde zwar in eine Winzerfamilie geboren, aber es hat recht lange gedauert, bis ich selbst ein Weinmacher wurde. Im Alter von 15 Jahren habe ich mein Zuhause hinter mir gelassen, weil mir jede Alternative reizvoller erschien. Ich habe dann ganz klassisch Biologie studiert und mich mit mikrobiologischen Prozessen beschäftigt. So ganz weit weg ist das fachlich natürlich nicht. Aber erst mit Ende Zwanzig waren die Hörner abgestoßen und ich kam wieder auf den Wein zurück. Jetzt liebe ich meine Arbeit: Weinmachen ist für mich angewandte Biologie auf vielen Ebenen, auch mit einer kreativen Seite.  Es gibt nicht viele Produkte bei denen man die komplette Fertigungskette in einem kleinen Unternehmen vereinen kann – von der Bodenpflege bis zum fertigen Produkt. Außerdem darf ich mit sehr vielen unterschiedlichen Menschen zusammenarbeiten: von Landarbeitern, die in den Weinbergen harte Arbeit leisten, bis hin zu den wohlhabenden Kunden, die sich diese Weine leisten können. Diese extreme Bandbreite ist mir sehr wichtig.

worlds of food: In der heutigen Zeit kennen viele Menschen nicht mehr den Geschmack von reinen Nahrungsmitteln. Ist das ein Grund, weshalb Sie sich für das Keltern des „Unplugged“ Rieslings entschieden haben?

Martin Tesch: Unser zentraler Wein, der „Riesling Unplugged“, erzählt im Prinzip die gute alte Naturwein-Geschichte für eine neue Generation. Man kann ja sehr viel machen, um den Geschmack von Wein zu verstärken – man kann es aber auch einfach lassen! Die Ergebnisse sind sehr unterschiedlich und auch für den Weintrinker gut nachzuvollziehen.  

worlds of food: Wollten Sie so eine Art „Neustart“ des traditionsreichen Weingutes Tesch mit neuem Produkt-Konzept starten?

Martin Tesch: Ein Relaunch des Weingutes war nie geplant oder beabsichtigt. Vielmehr haben wir nach der Präsentation von „Riesling Unplugged“ erst mal ums Überleben gekämpft. Wir haben auf einen Schlag fast die Hälfte unserer Kundschaft verloren und in der Weinszene für viel Heiterkeit gesorgt. Darum sind wir überglücklich, dass wir dieses Jahr das zehnjährige Jubiläum dieses Weines feiern dürfen. Mittlerweile  gilt „Riesling Unplugged“ als moderner Klassiker und als Symbol der Erneuerung im deutschen Wein.

worlds of food: Was zeichnet für Sie einen guten Wein aus? Kann man einen solchen auch für 5 Euro im Supermarkt bekommen?

Martin Tesch: Ein guter Wein kann zu einer schönen Erinnerung werden. Je klarer und lebendiger diese Erinnerung  ist, desto „besser“ der Wein. Der Preis ist dabei vollkommen egal. Oft spielt die Atmosphäre, in der man einen solchen Wein trinkt, eine große Rolle – mit wem trinke ich den Wein, wo und  zu welcher Gelegenheit. Wenn dann noch die Eigenart des Weines den Moment beflügelt… – darum geht es! Mit Sicherheit kann man solche Weine auch im Supermarkt finden. Da kenne ich mich aber nicht so gut aus. Für mich sind die Menschen hinter einem Wein auch immer wichtig. Darum trinke ich meistens Wein, der von Leuten gemacht wurde, die ich kenne und schätze.

worlds of food: Wofür würden Sie ein gutes Glas Wein auch mal stehen lassen?

Martin Tesch: Im richtigen Moment für ein frischgezapftes Bier!

Im zweiten Teil des Interviews mit Martin Tesch erfahren Sie dann mehr über seine „Rock´n Wine“-Projekte mit den Toten Hosen und dem Kult-Gitarren-Label Gibson.

Dieser Beitrag stammt von und dem worldsoffood-Team