Weinland Neuseeland – Pinot Noir auf dem Vormarsch thinkstockphotos.de

Weinland Neuseeland – Pinot Noir auf dem Vormarsch

Pinot Noir ist die zweite große Leidenschaft Neuseelands nach Sauvignon Blanc, der die ‚grüne Insel‘ als Weinland bekannt gemacht hat. Die Rebsorte verlangt besondere klimatische Voraussetzungen, die nur wenige Weinregionen rund um den Globus bieten – und Neuseeland ist davon die jüngste.

Seit den 1980er Jahren wird Pinot Noir professionell in Neuseeland angebaut und hat dabei eine eigene, unverkennbare Stilistik und Aromenvielfalt voll reifer roter Beeren und Kirschen entwickelt. Und die jungen Rebstöcke lassen noch eine große Zukunft erwarten.

Aufstrebende Jugend - Pinot Noir im Kommen

Pinot Noir stammt ursprünglich aus dem Burgund und hat in Neuseeland eine neue Heimat gefunden: Central Otago, Marlborough und Martinborough heißen die drei Hauptregionen von Pinot Noir in Neuseeland, keine älter als 35 Jahre. Die Rebsorte erlebte in Marlborough erst in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ihren Aufschwung, in Central Otago gar erst in den 90ern. Mittlerweile wird Pinot Noir im ganzen Land auf einer Rebfläche von mehr als 4.700 Hektar angebaut (das entspricht ca. ¼ der Rebfläche von Sauvignon Blanc), wobei Marlborough mit 41 Prozent, vor Central Otago mit 30 Prozent und Wairarapa/Martinborough mit 11 Prozent Vorreiter ist.

Mit einer Ernte von 31.775 Tonnen in 2013 zählt Pinot Noir zur zweitwichtigsten Rebsorte Neuseelands und setzt überdurchschnittliche Standards in der Qualität. Der Rotwein segelt international im Trend und hat noch starkes Potential nach oben. Dafür sprechen auch die Platzierungen bei den Decanter Wine World Awards 2013 mit Auszeichnungen in Gold für beispielsweise Auntsfield Single Vineyard Pinot Noir 2011 (Marlborough) oder Spy Valley Pinot Noir 2011 (Marlborough) und die hohe Qualität der gerade eingebrachten Ernte 2013.

Eine Frage des Stils

Pinot Noirs aus Neuseeland schlagen die Brücke zwischen alter und neuer Welt: Die Weine zeichnen sich sowohl durch Struktur und Eleganz von Pinot Noirs aus Burgund aus, wie durch eine Intensität und den Geschmack von Früchten, die wir als charakteristisch für Weine der neuen Welt kennen. „Pinot Noir aus Neuseeland ist ganz auf Genuss ausgerichtet. Der sinnlichen Rebsorte wird viel Spielraum eingeräumt, doch zugleich prägen auch die verschiedenen Regionen den Charakter des Weins”, erklärt Caro Maurer, erster weiblicher Master of Wine Deutschlands. Alle Weine vereinen die feinen Tannine und die Eleganz von Burgundern mit einer aufregenden, lebhaften und ausdrucksstarken Frucht aus Kirschen und roten Beeren. Dazu kommen eine zarte Würzigkeit sowie florale Noten wie Veilchen und Kräuter. Der Ausbau erfolgt meist in französischen Eichenfässern.

Daneben bringt jede Region besondere Terroir-Weine hervor, die eine genauere Betrachtung wert sind:

Wairarapa/Martinborough: vielschichtiger, voller, fleischiger Typ mit Pflaumenfrucht und Schokolade

Marlborough: eine strahlende rote Frucht, Himbeeren und Zwetschgen. Eine klare Struktur mit glattem, geschliffenem Tannin

Central Otago: schwarze Kirschen, frische Kräuter. Kräftiges Tannin und Säure

Nelson: Duftig, komplex, samtige Textur, mit attraktiver Kirschfrucht und etwas Pflaume

Waipara: rote, süße Früchte und dunkle Pflaumen, dazu schwarzer Pfeffer und Gewürze. Kräftiges Tannin und eine spürbare Säureweinregionen

Terroir und Temperatur des neuseeländischen Pinot Noirs

Mit seinen 10 Millionen Jahren ist Neuseeland ein sehr junges Land mit furchtbaren Böden – meist auch weil diese in der Vergangenheit nur für Rinder- oder Schafszucht genutzt wurden. Neuseelands Weinregionen liegen – auf unsere Breitengrade übersetzt – zwischen Tunis und Paris und sind daher klimatisch gesehen am ehesten mit dem Bordeaux und Burgund zu vergleichen. Aus diesen Bedingungen und unterschiedlichen Regionen zieht neuseeländischer Pinot Noir seine Ausdruckskraft.

So sind Auckland und Marlborough zwar die Wiege des Pinot Noirs in Neuseeland, Wairarapa/Martinborough und Central Otago haben aber die Stilistik der Weine in der Vergangenheit geprägt. Mittlerweile ist Pinot Noir auch in Weinregionen wie Nelson und Waipara heimisch, wobei in den Regionen Terroir oder der Boden, auf dem der Wein wächst, zu einem entscheidenden Kriterium wird. Unterschiedliche Böden, von der sandig, steinigen Lehmerde in der Nähe von Flußläufen bis zu tonhaltigem Untergrund an den Talhängen, bringen unterschiedliche Weine hervor.

Pinot Noir bevorzugt „cool climate“ Regionen mit heißen Tagen und kalten Nächten. Durch die großen Temperaturunterschiede kann die Pflanze den über Tag angesammelten Zucker nicht verbrauchen und speichert dafür umso mehr in den Trauben. Martinborough und Marlborough haben ähnliche Bedingungen, während Central Otago als das südlichste Weinbaugebiet der Welt nahe der Antarktis durch kühlere und kontinentale Einflüsse geprägt ist.


Dieser Beitrag stammt von und dem worldsoffood-Team