VDP.Prädikatsweingüter beenden Traubenernte 2019 Derk Hoberg -- Weinberge vor Schloss Johannisberg im Rheingau
  • 08. November 2019
  • Redaktion
Kleine, frühe und außergewöhnlich schnelle Ernte bringt Topqualitäten

VDP.Prädikatsweingüter beenden Traubenernte 2019

2019 mussten sich die Winzer aufgrund der bereits guten Traubenreife und der regnerischen Witterung während der Lese sputen.

„In nur 16 Erntetagen konnten wir großartige Trauben ernten. Vollreif, geschmacksintensiv mit vibrierender Fruchtsäure. Wir sind gespannt auf die Weine.“ VDP.Präsident Steffen Christmann zeigt sich zufrieden mit der diesjährigen Lese.

Neben des immer kürzer werdenden Lesezeitraums kann seit einigen Jahren auch eine Verschiebung des Erntebeginns nach vorne beobachtet werden. Aufgrund des wärmeren Klimas reifen die Trauben früher aus. Insbesondere in den VDP.GROSSEN LAGEN® und VDP.ERSTEN LAGEN® erfordert dies ein schnelles, entschlossenes Handeln, mit immer größeren Erntemannschaften. Denn in den besten Lagen ist es wichtig, die Trauben zum optimalen Reifezeitpunkt gesund zu ernten und eine Überreife zu vermeiden.

Der beste Weinberg allein ist jedoch noch kein Garant für ein Spitzenprodukt. Erst das perfekte Zusammenspiel von akkurater Handarbeit, fundiertem Fachwissen, Intuition, langjähriger Erfahrung, andauernder Neugier, gesundem Ehrgeiz, schier grenzenloser Ausdauer und ganz viel Geduld macht beste Ergebnisse überhaupt erst möglich.

Nach der größeren Ernte 2018 war eine kleinere Ernte im Folgejahr zu erwarten als natürlich Alternanz. Zudem trugen teils Sonnenbrandschäden und regionale Unwetter zur kleinen Ernte bei. Im Durchschnitt ernteten die VDP.Weingüter im langjährigen Mittel ca. 25 % weniger. Durch den mengenmäßig großen Jahrgang 2018 kann die geringe Menge aber aufgefangen werden und die Marktbeschickung größtenteils gewährleistet.

Vegetations- und Leseverlauf

Im Weinjahr 2019 startete die Vegetation etwas langsamer als im "Turbo-Jahr" 2018. Schon früh beschäftigte die Wasserversorgung der Reben die VDP.Winzer. Im Gegensatz zu 2018, als im Frühjahr noch ein gewisses Wasserpolster im Grundwasser vorhanden war, waren diese Reserven im Jahr 2019 nicht vorhanden, dafür gab es jedoch auch im Sommer immer wieder etwas Regen. Mit der frühen Blüte Anfang Juni wurden die Weichen für einen frühen Jahrgang gestellt.
Der heiße Sommer führte zum Teil zu erheblichen Sonnenbrandschäden. Die Trockenheit ließ die Trauben kleinbeerig bleiben. Früher als ursprünglich erwartet begann die Hauptweinlese, da die Reben während der sehr sonnigen Tage Ende August und Anfang September einen enormen Reifevorsprung bekamen.

AUS DEN REGIONEN

AHR – Mini Ernte mit sehr guter Farbausbeute
„Der Verlust durch den Sonnenbrand liegt an der Ahr bei ca. 30%. Wir konnten aber grandiose Qualitäten ernten. Auch wenn am Stock nicht viel hing, haben wir bei den Spätburgundern eine sehr gute Farbausbeute mit guter Aromaausprägung, angenehmer Säure und hohen Extraktwerten.“
Marc Adeneuer, VDP.Weingut J.J. Adeneuer

BADEN – Weinjahrgang 2019 verlangte viel Fingerspitzengefühl
„Leider wurden die Wasservorräte des zu trockenen Jahres 2018 im Winter nicht aufgefüllt. Wir stellten uns deshalb mit unserer Bodenpflege auf ein wasserschonendes System ein. Das Frühjahr war zu warm und der Austrieb sehr früh, zu früh. Durch einen Nachtfrost Anfang Mai entstanden an manchen Stellen Schäden von 10% - 30%. Der Sommer war zum Teil unerträglich heiß mit Temperaturen bis zu +40°C und kein Regen in Sicht. Die Trockenheit war noch ausgeprägter als 2018.
Trotzdem entwickelten sich die Reben gut. Ein kleiner Wermutstropfen war Sonnenbrand mit zum Teil großen Mengenverlusten an den Rotweinrebsorten, Spätburgunder und Schwarzriesling. Die Qualität ist trotz der ungewöhnlichen Wetterherausforderung sehr gut. Die Erntemenge ist allerdings um ca. 25 % niedriger als im langjährigen Mittel.“
Konrad Schlör, VDP.Weingut Schlör

FRANKEN – Ein großer Jahrgang? Absolut!
„Durch die geringen Erträge haben wir in diesem Jahr mit der Lese Anfang September begonnen, zu einem Zeitpunkt, als wir im Jahre 2018 schon fast die Lese beendet hatten. Durch die geringen Erträge sind die Trauben für VDP.GUTSWEIN, VDP.ORTSWEIN und zum Teil auch schon die VDP.GROSSEN GEWÄCHSE® sehr zeitnah und gleichzeitig gereift. Die Erntemengen dürften in den meisten Fällen die 50 hl Marke kaum übersteigen. Die Trauben sind durchweg gesund und die Weine in der Gärung zeigen sich brillant und perfekt. Ein großer Jahrgang? Absolut! Durch die kühleren Nächte im Spätsommer ist die Aromaausprägung sehr gut verlaufen, die Weine sind dicht und die Säurestruktur gut. Dies sind alles Faktoren, die wir für einen großen Jahrgang benötigen.“
Robert Haller, VDP.Weingut Bürgerspital zum Heiligen Geist

MITTELRHEIN – Gesunde Trauben. Frische Frucht, schöne Aromatik
„Frische Frucht, hohe Mostgewichte, optimale Säurewerte und im Vergleich zum 2018er-Jahrgang reduzierte Erträge prägten die Weinlese am Mittelrhein. Wir konnten gesunde, goldgelbe Trauben lesen und die Moste präsentieren sich mit einer schönen Aromatik und einer wunderbar eingebundenen Säure. “
Jochen Ratzenberger, VDP.Weingut Ratzenberger

MOSEL – Kleiner, aber feiner Jahrgang
An der Saar berichtet VDP.Weingut Schloss Saarstein von gegenüber 2018 fast halbierten Erträgen. Florian Lauer spricht von erheblichem Selektionsaufwand bei der Lese und einem Mengenverlust von 30 % gegenüber einem Normaljahr. Trotz des reifen Lesegutes waren die Säurewerte erfreulich rassig während die Aromatik der Moste von rassig-fruchtig bis exotisch variiert.
An der Mosel spricht Oliver Haag vom VDP.Weingut Fritz Haag von einem „kleinen, aber feinen Jahrgang“. Die geernteten Moste liegen ausschließlich im Prädikatsbereich. Alle Prädikate konnten gelesen werden. Haag hebt die gute Traubengesundheit und die fein schmeckende Säure des Jahrgangs hervor.
An der Ruwer haben Frost im Mai und Hitze im Juli die Erntemenge fast halbiert. Im VDP.Weingut Maximin Grünhaus wurde die Lese in der letzten Septemberwoche mit Pinot Blanc und Pinot Noir begonnen. Seit 10 Jahren lässt sich feststellen, dass besonders der Pinot Noir mit den teilweise extremen Wetterlagen gut zurechtkommt. In fast allen Jahrgängen konnten hochgradige Moste mit guter Farbintensität, feiner Säure und viel Aromatik geerntet werden. Die kleine Riesling-Ernte wurde mit einem idealem Mostgewicht / Säureverhältnis eingebracht: Es dürfen reife, rassige, tiefgründige und langlebige Rieslingweine erwartet werden!
Dr. Carl von Schubert, VDP.Weingut Maximin Grünhaus (Mosel)

NAHE – Ideale Bedingungen für Auslesen und Beerenauslesen
Der Jahrgang 2019 brachte an der Nahe exzellente Qualitäten bei sehr niedrigen Erträgen. Durch einen geringen Gescheinsansatz (= wenig Trauben) und starke Verrieselung während und nach der Blüte (= wenig Beeren pro Traube) und optimale Laubarbeit war die Traubenzone sehr gut durchlüftet und die Trauben blieben lange gesund. Mostgewicht und Säure lagen durchweg im idealen Bereich. Die Lese begann an der Nahe traditionell etwas später, Ende September. Trotz der häufigen Regenschauer in dieser Zeit gelang es die Regenlücken gut zu nutzen und die Trauben trocken zu ernten. Vereinzelt auftretende Botrytis wurde zur Erzeugung von Auslesen und Beerenauslesen genutzt.
Frank Schönleber, VDP.Weingut Emrich-Schönleber (Nahe)

PFALZ – Hochsommer, Aprilwetter, Gesunde Trauben
Während an der Mittelhaardt die Lese sehr zügig verlief und meist innerhalb von 2-3 Wochen vor den Regenfällen abgeschlossen wurde, verlief die Lese in der später reifenden südlichen Pfalz verzögert. „Nach exakt sechs Wochen konnten wir am 17. Oktober die Ernte abschließen. Nicht an jedem Tag wurden Trauben gelesen; nach der Pause zwischen Sektgrundwein- und „normalen Ernte“ mussten auch wir nach Regen immer wieder abwarten. Während anfangs spätsommerliche Bedingungen herrschten, erinnerte die ab dem 23. September kühlfeuchte Wetterlage eher an typisches Aprilwetter mit Regenschauern. Unsere Trauben trotzten mit ihrem guten Gesundheitszustand und den außergewöhnlich dicken Schalen dem oft widrigen Wetter ebenso erfolgreich wie unsere erfahrenen Lesehelfer. Dennoch waren oft gute Nerven und sehr viel Geduld gefragt, bis alle Trauben in der gewünschten Qualität sicher in unser Kelterhaus gebracht waren.“
Hansjörg Rebholz, VDP.Weingut Ökonomierat Rebholz

RHEINGAU – Trotz Starkregen - Topqualitäten
„Das Weinjahr 2019 war im Rheingau wieder von Wetterextremen geprägt. Auf Trockenheit folgten zum Teil starke Niederschläge. Trotz Hitzerekord gab es aber dieses Jahr genug Regen. Besonders durch den heftigen Niederschlag im August wuchsen die Trauben rasant. Aufgrund von geringem Schädlingsbefall und vergleichsweise wenig „Sonnenbrand“ ist dafür aber die Qualität der Trauben sehr gut und wir konnten auch im edelsüßen Bereich schöne Auslesen und Beerenauslesen ernten.“
Wilhelm Weil, VDP.Weingut Robert Weil

RHEINHESSEN – Lese im Eiltempo
„Die Weinlese 2019 begann dank des wunderschönen Spätsommers deutlich früher als erwartet und verlief dann auch im Eiltempo. Innerhalb von nur 3 Wochen wurde der Großteil der rheinhessischen Trauben gelesen. Die kühlen Nächte im August und September verhalfen den Trauben zu einer tollen Aromatik bei angenehmen Säurestrukturen. Die Güte des Jahrgangs lässt Freude aufkommen. Ein kleiner Wermutstropfen ist sicher die kleine Erntemenge, aber für die VDP.Winzer steht die Qualität ja sowieso grundsätzlich im Vordergrund!“
Philipp Wittmann, VDP.Weingut Wittmann

SACHSEN /SAALE-UNSTRUT – Extrem gesundes Traubenmaterial, aber Ernteeinbußen durch Hagelschlag
„Wir hatten kein einfaches Jahr. Spätfröste im April und Mai, Rekord-Hitze im Juni und im Juli in der Region um Meißen massive Hagelschäden, die zu erheblichen Ertragsausfällen führten. Dafür wurde die akribische Handarbeit im Weinberg und punktgenaues Lesen mit außerordentlich gesundem Traubenmaterial belohnt.“
Georg Prinz zur Lippe, VDP.Weingut Schloss Proschwitz

WÜRTTEMBERG – Klein aber gut
„Die größte Herausforderung dieses Jahr war abermals die extreme Trockenheit. Vor allem in der Wachstumsphase der Rebe war es in Württemberg zu trocken. Ab Lesebeginn war dann der Regelmantel unser Dauerbegleiter. Im langjährigen Mittel haben wir ca. 1/3 weniger geerntet, die Qualität ist aber sehr gut. Die Mostgewichte nicht zu hoch, Säurewerte und Extraktwerte sehr gut.“
Markus Drautz, VDP.Weingut Drautz-Abel
 

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