Macht Süßstoff dick? pixabay.com
Expertenmeinung

Macht Süßstoff dick?

Aus Angst vor einer Gewichtszunahme verzichten immer mehr Menschen auf Zucker. Aber sind künstliche Süßstoffe dann eine wirklich wirkungsvolle und vor allem gesunde Alternative? Informationen rund um den menschlichen Körper und die Gesundheit – erklärt von Prof. Dr. Curt Diehm.

Wer sich heute aufmerksam die Regale in Lebensmittelmärkten anschaut, dem wird auffallen, dass immer mehr – insbesondere Süßwaren – mit dem Argument „Zuckerfrei“ oder „ohne Zucker“ für sich werben. Zucker ist, so scheint es, das neue „böse“.

Fest steht, dass wir zu viel Zucker zu uns nehmen. Durchschnittlich – so schätzt die Weltgesundheitsorganisation WHO – konsumiert jeder von uns mehr als 30 Kilogramm Zucker pro Jahr. Vor rund 50 Jahren waren es übrigens noch 10 Kilogramm weniger. Die Folgen können wir alle inzwischen täglich auf der Straße sehen. Übergewicht und Adipositas nehmen immer mehr zu. Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen als typische Folge ebenso.

Das haben inzwischen auch die Lebensmittelhersteller erkannt und arbeiten deshalb häufig mit künstlichen Süßstoffen.

Macht Süßstoff dick? Was sagt die Wissenschaft?

Seit es diese Süßstoffe gibt, haben Studien in der ganzen Welt die Zusammenhänge und Auswirkungen untersucht. Eine 2017 im kanadischen Winnipeg vorgestellte Meta-Analyse von 30 Studien mit insgesamt fast einer halben Million Teilnehmern kam dabei zu dem Resultat, dass – unter Berücksichtigung von Anfangsgewicht und Body Mass Index (BMI) – ein hoher Süßstoffkonsum häufig mit einer leichten Gewichtszunahme einher ging.

Allerdings sahen die Wissenschaftler dabei nicht den Süßstoff als Hauptgrund, sondern vielmehr die Tatsache, dass Menschen, die gerade zunehmen wahrscheinlich auch besonders häufig zu Süßstoffen greifen.

Sehr interessant fand ich in diesem Zusammenhang auch eine aktuelle Untersuchung der Swansea University im britischen Wales. Die Forscher dort haben die Auswirkungen der oftmals als alternatives Süßungsmittel eingesetzten Fructose auf unser Immunsystem untersucht.

Fruktose wird umgangssprachlich oft auch als Fruchtzucker bezeichnet, der in der Natur vor allem in Kernobst, Beeren und im Honig enthalten ist. Aufgrund seines natürlichen Ursprungs gilt er vielen als besonders gesunde Alternative zum typischen „Haushaltszucker“.

Bei ihrer Untersuchung kamen die Forscher aus Wales zu dem Resultat, dass insbesondere die in künstlichen Süßungsmitteln sowie oftmals auch in „zuckerfreien“ Softdrinks stark konzentrierte Fructose entzündliche Prozesse in unserem Körper signifikant verstärkt. Das kann die Funktion von Organen beeinträchtigen und sogar zu Krebserkrankungen führen. Gleichzeitig steigt das Risiko der Gewichtszunahme.

Schlussfolgerung

Und welches Resümee können wir nun daraus ziehen? Sie ahnen es wahrscheinlich bereits. Wenn Sie abnehmen wollen, sind künstliche Süßstoffe nicht das Mittel der Wahl. Ernähren Sie sich ausgewogen und gesund, bewegen Sie sich regelmäßig. Dann dürfen Sie sich auch ab und an und ohne schlechtes Gewissen eine Süßigkeit mit Zucker genehmigen. Und wenn Sie vorher ganz bewusst darauf verzichtet haben, können Sie sie anschließend umso mehr genießen. Denn auch das hat die Wissenschaft inzwischen herausgefunden: Der Körper gewöhnt sich an Zucker. Je mehr sie also essen, umso mehr werden Sie auch brauchen, bevor sich ein Glücksgefühl einstellt.

Über den Autor
Prof. Dr. med. Curt Diehm zählt zu den führenden Medizinern im Südwesten Deutschlands, er ist Autor zahlreicher Fach- und Patientenbücher und langjähriger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gefäßmedizin. Seit Mitte 2014 leitet er als Ärztlicher Direktor die renommierte Max Grundig Klinik in Bühl. Alle Beiträge dieser Serie zum Nachlesen unter www.max-grundig-klinik.de
 

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