Wer an chinesische Küche denkt, hat oft gebratene Nudeln, süß-saure Ente oder Frühlingsrollen vor Augen. In Chengdu, der Hauptstadt der Provinz Sichuan, sieht die kulinarische Realität allerdings ganz anders aus. Die UNESCO ernannte die Millionenmetropole bereits 2010 zur „City of Gastronomy“ und das völlig zurecht: Hier ist Essen Kultur, Begegnung und ein wichtiger Bestandteil des entspannten Lebensgefühls, für das Chengdu in ganz China bekannt ist.
Die Küche Sichuans gilt als eine der vielseitigsten des Landes. Zwar ist sie berühmt für ihre Schärfe, doch eigentlich lebt sie von ihrem raffinierten Spiel der Aromen. Süße, Säure, Salzigkeit, Umami und intensive Würze verschmelzen zu einer überraschend ausgewogenen Komposition. Charakteristisch ist dabei der berühmte Sichuan-Pfeffer, der botanisch gar kein Pfeffer ist, sondern die Frucht einer Zitruspflanze. Sein Inhaltsstoff Hydroxy-Alpha-Sanshool sorgt für das typische prickelnde, leicht betäubende Gefühl auf Lippen und Zunge.
Hot Pot – das kulinarische Herz Chengdus
Wer Chengdu besucht, kommt an einem Hot Pot nicht vorbei. Kaum wird es Abend, füllen sich die Restaurants mit Familien, Freunden und Kollegen, die gemeinsam um einen brodelnden Topf sitzen. Hot Pot ist hier ein gesellschaftliches Ritual:
Im Mittelpunkt steht ein großer Topf mit kochender Brühe, meist tiefrot gefärbt von Chiliöl, fermentierten Bohnenpasten und zahlreichen Gewürzen. Rundherum werden Teller mit hauchdünn geschnittenem Fleisch, Gemüse, Pilzen, Tofu und regionalen Spezialitäten serviert, die jeder Gast selbst gart.
Wer zum ersten Mal Hot Pot probiert, sollte sich nicht von der Schärfe einschüchtern lassen. Viele Restaurants bieten einen sogenannten Yuanyang-Topf an, der eine scharfe und eine milde Brühe kombiniert. So lässt sich die Intensität ganz individuell dosieren.
Mindestens genauso wichtig wie die Brühe ist die Dip-Sauce. Einheimische mischen sie meist aus Sesamöl, reichlich gehacktem Knoblauch, Austernsauce, Frühlingszwiebeln, Koriander und auf Wunsch etwas schwarzem Essig. Das Sesamöl mildert die Schärfe und sorgt gleichzeitig für zusätzlichen Geschmack.
Auch bei den Zutaten gibt es eine kleine Reihenfolge. Dünnes Rindfleisch gart nur wenige Sekunden, Blattgemüse benötigt kaum länger als eine halbe Minute. Wurzelgemüse darf einige Minuten ziehen. Besonders beliebt sind in Chengdu außerdem Rinderkutteln, Gänse- oder Entendärme, die nur wenige Sekunden durch die Brühe gezogen werden und dadurch angenehm bissfest bleiben. Selbst Schweinehirn steht vielerorts auf der Speisekarte – für Einheimische eine Delikatesse mit überraschend cremiger Konsistenz.
Wer den klassischen Chengdu-Hot-Pot erleben möchte, ist im Chuanxi Bazi Hotpot genau richtig. Die Atmosphäre ist lebhaft, laut und typisch Chengdu – genau so, wie ein Hot Pot sein sollte. Zum Abschluss sorgen süße Reiskuchen, gekühltes Kräutergelee oder seidiger Tofu-Pudding für eine angenehme Erfrischung nach dem feurigen Geschmackserlebnis.
Yongle Restaurant – traditionelle Sichuan-Küche mit Michelin-Empfehlung
Wer die klassische Küche Sichuans in ihrer ganzen Vielfalt kennenlernen möchte, sollte einen Tisch im Yongle Restaurant reservieren. Das traditionsreiche Lokal wird seit 1985 für seine authentischen Familienrezepte geschätzt und gehört zu den Michelin-Empfehlungen der Stadt.
Schon von außen ist das Restaurant mit seinen roten Laternen und kunstvollen Holzfenstern kaum zu übersehen – ebenso wenig wie die meist lange Warteschlange davor. Wer früh kommt, hat die besten Chancen auf einen Platz.
Auf der Speisekarte stehen Spezialitäten wie scharf marinierte Kaninchenstücke mit getrockneter Mandarinenschale, in Klebreis gegarte Schweinerippchen oder zarte Fleischbällchen in einer aromatischen Brühe. Auch das würzige Hähnchen mit seiner intensiven Chili-Sauce zählt zu den Klassikern des Hauses und zeigt eindrucksvoll, warum Sichuans Küche weltweit als eine der komplexesten Chinas gilt.
Moderne Interpretation im Jin Chinese Restaurant
Tradition trifft Moderne im Jin Chinese Restaurant des Radisson Collection Hotel, Hi-Tech Zone Chengdu. Küchenchef Steven Qiu, der auf mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung zurückblickt, verbindet klassische Sichuan-Rezepte mit kantonesischen Einflüssen und präsentiert sie überraschend modern.
Schon das Ambiente greift die kulturelle Geschichte Chengdus auf. Inspiriert von der traditionellen Shu-Brokat-Webkunst und den historischen Handelswegen der Seidenstraße entsteht eine elegante Atmosphäre, die sich ebenso für Geschäftsessen wie für besondere Anlässe eignet.
Das hauchdünn geschnittene Lantern Shadow Beef ist so fein, dass Licht durch die Fleischscheiben scheint. Trotz der intensiven Schärfe überrascht es mit einer dezenten Süße. Ebenso raffiniert sind die Kung Pao Garnelen, die gemeinsam mit knusprigen Croissants serviert werden. Ein weiteres Highlight bilden die gebratenen Rinderrippen mit der berühmten Sichuan-„Strange Sauce“. Sie vereint praktisch alle Geschmacksrichtungen der regionalen Küche gleichzeitig: salzig, süß, sauer, scharf, umami und das typische Taubheitsgefühl.
Die kunstvoll angerichteten Gerichte zeigen eindrucksvoll, wie modern Sichuan-Küche heute interpretiert werden kann, ohne ihre Wurzeln zu verlieren.
Afternoon Tea mit Panda
Dass Chengdu auch süß kann, zeigt der Afternoon Tea im Radisson Collection Hotel, Hi-Tech Zone Chengdu. Hoch über den Dächern der Stadt mit Blick über die Skyline Chengdus dreht sich hier alles um MOSSI Panda, den offiziellen Botschafter der „China Gifts“. Der sympathische Panda wird regelmäßig als staatliches Gastgeschenk ins Ausland überreicht und steht symbolisch für kulturellen Austausch.
Passend dazu verbindet auch die Patisserie chinesische Zutaten mit europäischen Techniken. Besonders gelungen ist der Bamboo Green Tea Raspberry & Nut Cake. Hochwertiger Bambus-Grüntee aus dem Emei-Gebirge trifft auf fruchtige Himbeeren, geröstete Nüsse und feine französische Patisseriekunst – dekoriert mit einem kleinen Panda-Gesicht.
Tee statt Tempo
So intensiv Chengdus Küche auch ist – das wahre Lebensgefühl der Stadt erlebt man oft mit einer Tasse Tee in der Hand. Entlang des Tiexiang Temple Riverfront verbringen Einheimische ganze Nachmittage in traditionellen Teehäusern, spielen Mahjong, unterhalten sich oder beobachten einfach das bunte Treiben.
Im Chen Jin Teahouse gehört dazu nicht nur aromatischer Jasmintee, sondern auch eine traditionelle Sichuan-Teezeremonie sowie die berühmte „Face Changing“-Vorführung der Sichuan-Oper, bei der die Künstler in Sekundenschnelle ihre kunstvollen Masken wechseln.




























