Zwischen Salsa-Rhythmen, Zigarrenaromen und dem Duft frisch gebrühter Cafecitos zeigt sich Miami in Little Havana von seiner authentischsten Seite. Rund um die legendäre Calle Ocho verschmelzen kubanische Geschichte, Exilkultur und die karibische Küche. Wer das Viertel kulinarisch entdecken möchte, sollte sich Zeit nehmen und vor allem hungrig kommen.
Schon am Morgen erwacht Little Havana mit dem Krähen wild in den Straßen lebender Hähne und dem intensiven Aroma kubanischen Kaffees. Die Geschichte des Viertels beginnt mit der kubanischen Revolution im Jahr 1959. Tausende kubanische Familien flohen damals nach Miami und fanden rund um die heutige Calle Ocho ein neues Zuhause. Mit ihnen kamen Rezepte, Traditionen und Rituale, die Little Havana bis heute prägen und über die uns Guide Ariel von Miami Culinary Tours in seiner unterhaltsamen Runde durch das Viertel informiert.


Der perfekte Einstieg in die kulinarische Welt des Viertels beginnt mit einem Klassiker: dem Cuban Sandwich (Titelfoto). Anders als der Name vermuten lässt, stammt das berühmte Sandwich nicht allein aus Kuba, sondern entwickelte sich auch durch den Einfluss italienischer und deutscher Einwanderer in Florida zu seiner heutigen Form. In Little Havana wird es traditionell mit saftigem Schweinebraten, Kochschinken, Schweizer Käse, Senf und Essiggurken serviert. In manchen Varianten findet sogar Salami ihren Platz zwischen den zwei Brotscheiben. Warm gepresst wird daraus ein knuspriges, herzhaftes Meisterwerk, das perfekt mit einem Mojito harmoniert.

Besonders authentisch gelingt das im Restaurant Salao, das ganz im Stil der 1950er-Jahre gestaltet wurde und sich dem Schriftsteller Ernest Hemingway widmet. Hier wird der Mojito noch nach traditioneller Art und seinem Lieblingsrezept gemixt: mit frischer Minze, weißem Rum, Limettensaft, Soda und nur wenig Zucker. Das Geheimnis liegt in einigen Tropfen Angostura Bitter, die dem Drink die richtige Balance verleihen. Während draußen Oldtimer vorbeifahren und rhythmischer Salsa aus den offenen Barfenstern dringt, fühlt sich ein Nachmittag in Little Havana plötzlich wie eine Reise in Kubas Hauptstadt an.

Überhaupt ist Musik hier allgegenwärtig. Nur wenige Schritte entfernt liegt der legendäre Club Ball & Chain, einer der ältesten Musikclubs des Viertels. Seit den 1930er-Jahren treten hier Live-Bands auf, bis heute tanzen Besucher zu Latin Jazz und Salsa. Little Havana lebt von dieser Mischung aus Genuss und Lebensgefühl – und genau deshalb schmeckt hier selbst der Kaffee intensiver.
Der kubanische Cafecito ist dabei mehr als ein Espresso. Er ist Ritual, sozialer Treffpunkt und täglicher Energieschub. Serviert wird er häufig als sogenannte „Colada“ (dt. gesiebt), er ist gedacht zum Teilen mit Freunden oder Kollegen. Charakteristisch ist die süße, karamellfarbene Schaumschicht, die allein durch Zucker und die starke Konzentration des Kaffees entsteht. Besonders beliebt sind die kleinen Ventanitas – Straßenfenster kleiner Cafés, an denen man seinen Kaffee direkt auf dem Gehweg trinkt. Dort stehen Menschen zusammen, diskutieren über Baseball, Politik oder ihre letzte Domino-Partie und genießen die süßen Minuten der Kaffeepause.

Ein weiteres Herzstück der kubanischen Esskultur sind Empanadas. In Little Havana werden sie – typisch kubanisch – frittiert statt gebacken. Besonders beliebt ist die Variante mit Picadillo, würzigem Hackfleisch mit Tomaten, Paprika und Knoblauch. Findet man darin sogar eine Olive, gilt man als Glückspilz und wird angehalten, es doch mal mit Lotto spielen zu versuchen. Aber auch ohne Lottogewinn gilt: Außen knusprig, innen herzhaft und aromatisch – die kleinen Teigtaschen sind perfektes Street Food und zeigen den starken spanischen Einfluss auf die kubanische Küche.

Doch Little Havana wäre nicht Little Havana ohne seine süßen Versuchungen. In den traditionellen Bäckereien stapeln sich Pastelitos de Guayaba – Blätterteigtaschen mit Guavenfüllung, manchmal kombiniert mit Frischkäse. Für viele Kubaner gehören sie genauso selbstverständlich zum Alltag wie der alltägliche Cafecito. Die Bäckereien öffnen oft schon um sechs Uhr morgens und versorgen die Nachbarschaft bis spät abends mit frischem Gebäck, kubanischem Brot und kleinen Snacks.
Wer weiter über die Calle Ocho schlendert, begegnet immer wieder kubanischer Kultur: kunstvoll bemalte Fliesen, Geschäfte mit Guayaberas: den traditionellen Leinenhemden mit den charakteristischen vier Taschen. Dazu Domino-Spielern im berühmten Domino Park und natürlich den allgegenwärtigen Hähnen und Hühnern. Sie gelten längst als Wahrzeichen von Little Havana und erinnern an die kubanischen Traditionen, die die Exilgemeinde nach Florida brachte.

Auch Churros gehören zum kulinarischen Pflichtprogramm. Frisch frittiert, mit Zucker und Zimt bestäubt und am besten noch warm serviert, verbinden sie spanische Einflüsse mit lateinamerikanischer Straßenkultur. Besonders beliebt sind die dünnen, knusprigen Varianten nach valencianischer Art.

Zwischen all den kulinarischen Stopps erzählt Little Havana jedoch immer auch Geschichten von Migration, Heimatverlust und kultureller Identität. Die berühmte Sängerin Celia Cruz, deren Stern auf dem Walk of Fame des Viertels Besucher begrüßt, steht sinnbildlich dafür. Ihr legendärer Ausruf „Azúcar!“ – Zucker – ist hier mehr als nur ein Wort. Er ist Ausdruck von Lebensfreude, Gemeinschaft und der Fähigkeit, selbst schwierigen Zeiten etwas Süße entgegenzusetzen.
Alle weiteren Informationen unter: visitmiami.com




















