München gilt weltweit als Hauptstadt des Bieres. Doch nur wenige wissen, dass die Isarmetropole einst auch vom Weinbau geprägt war. Mit dem ersten Münchner Stadtweingarten möchte Christian Dauber, Geschäftsführer der Münchner Wein Manufaktur und Initiator des Projekts, dieses fast vergessene Kapitel der Stadtgeschichte wieder zum Leben erwecken. Gemeinsam mit dem Weinbauverein Menzing e.V. setzt er auf nachhaltigen Weinbau, innovative PIWI-Rebsorten und die Vision, Wein mitten in der Großstadt erlebbar zu machen. Im Interview spricht der gebürtige Franke über seine Leidenschaft für den Wein, die Herausforderungen eines Stadtweingartens und den Wandel der Münchner Weinkultur.
worlds of food: Herr Dauber, mit dem ersten Münchner Stadtweingarten bringen Sie ein Stück Weingeschichte zurück nach München. Wie kam es zu dieser Idee?
Christian Dauber: Die meisten Menschen verbinden München natürlich zuerst mit Bier. Das gehört zur Stadt und das soll auch so bleiben. Was viele aber nicht wissen: München war vor Jahrhunderten durchaus auch eine Weinstadt. Als ich mich näher mit der Geschichte beschäftigt habe, fand ich es erstaunlich, dass davon heute kaum noch etwas sichtbar ist. Ich bin in Franken aufgewachsen und komme aus einer Winzerfamilie. Weinbau hat mich mein ganzes Leben begleitet. Vielleicht schaut man deshalb etwas anders auf eine Stadt. Wo andere einfach eine Grünfläche sehen, denke ich manchmal darüber nach, was dort entstehen könnte. Vor einigen Jahren kam die Idee auf, Wein wieder sichtbar nach München zu bringen. Und irgendwann habe ich beschlossen, nicht nur darüber nachzudenken, sondern es einfach anzugehen.
Welche Bedeutung hat es für Sie persönlich, nicht nur mit Wein zu handeln, sondern auch Wein in München wachsen zu sehen?
Das ist schon etwas Besonderes für mich. Seit Jahren beschäftige ich mich beruflich mit Wein, organisiere Veranstaltungen, verkoste Weine und arbeite mit Winzern zusammen. Aber eine Rebe vom ersten Austrieb bis zur Lese zu begleiten, ist noch einmal etwas ganz anderes. Vielleicht spielt da auch meine Herkunft eine Rolle. Wein beginnt nicht in der Flasche und nicht auf der Weinkarte. Er beginnt draußen im Weingarten. Zu erleben, dass in München wieder Reben wachsen, verbindet für mich ein Stück fränkische Heimat mit meiner Wahlheimat München. Darauf bin ich schon ein wenig stolz.
Warum fiel die Wahl auf die PIWI-Rebsorte Souvignier Gris?
Für uns war von Anfang an klar, dass wir ein Projekt schaffen wollen, das auch langfristig Sinn ergibt. Wenn man heute neue Reben pflanzt, sollte man die Möglichkeiten nutzen, die moderner Weinbau bietet. Souvignier Gris hat uns überzeugt, weil die Sorte robust ist, deutlich weniger Pflanzenschutz benötigt und gleichzeitig sehr gute Qualitäten hervorbringen kann. Das passt zu unserem Ansatz. Ich war noch nie jemand, der Dinge nur deshalb macht, weil sie schon immer so gemacht wurden.

Welche Herausforderungen bringt Weinbau in einer Großstadt mit sich?
Als wir mit der Idee eines Stadtweingartens an die Öffentlichkeit gegangen sind, haben sich viele gefragt: Kann das überhaupt funktionieren? Braucht München so etwas? Lohnt sich der Aufwand? Solche Fragen gehören dazu, wenn man neue Wege geht. Aber manchmal braucht es eben auch Menschen, die bereit sind, etwas auszuprobieren. Deshalb freue ich mich besonders über die vielen Vereinsmitglieder und Unterstützer, die von Anfang an das Projekt geglaubt haben. Ohne diesen Rückhalt wäre der Stadtweingarten nicht entstanden. Ansonsten gelten für uns dieselben Regeln wie für jeden anderen Weingarten. Die Natur gibt den Takt vor. Ob in Franken, Südtirol oder München – am Ende entscheidet nicht der Mensch allein über den Jahrgang. Natürlich kommen in einer Großstadt Themen wie Genehmigungen, Organisation und öffentliche Aufmerksamkeit hinzu. Aber genau das macht das Projekt auch interessant.
Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit bei diesem Weinprojekt?
Eine sehr wichtige Rolle. Für mich ist Nachhaltigkeit kein Schlagwort, sondern etwas, das man konkret leben muss. Es geht darum, langfristig zu denken und Verantwortung zu übernehmen. Deshalb haben wir uns für eine PIWI-Rebsorte entschieden. Gleichzeitig soll der Stadtweingarten nicht nur ein Weinberg sein, sondern auch ein Ort, an dem Menschen Weinbau erleben können. Viele wissen gar nicht, wie viel Arbeit, Zeit und Geduld hinter einer Flasche Wein stecken. Wer das einmal gesehen hat, entwickelt automatisch einen anderen Blick auf Lebensmittel und ihre Herstellung.
Ihre Familie beschäftigt sich seit Generationen mit Wein. Welche Werte haben Sie daraus mitgenommen?
Vor allem Bodenständigkeit, Verlässlichkeit und die Bereitschaft, anzupacken. Im Weinbau lernt man früh, dass es keine Abkürzungen gibt. Man kann viel planen, aber am Ende muss die Arbeit trotzdem gemacht werden. Von meinen Eltern habe ich außerdem gelernt, Chancen zu erkennen und Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Wenn man von einer Idee überzeugt ist, darf man sich nicht von jedem Gegenwind entmutigen lassen. Viele spannende Projekte entstehen gerade dann, wenn man bereit ist, neue Wege zu gehen.
Mit Rooftop-Partys, Straßenweinfesten und Winzerfesten schaffen Sie Weinmomente außerhalb klassischer Verkostungen. Entsteht in München gerade eine neue Weinkultur?
Diesen Eindruck habe ich tatsächlich. Als ich vor vielen Jahren nach München gekommen bin, wurde Wein oft noch etwas förmlich wahrgenommen. Man hatte manchmal das Gefühl, man müsse besonders viel wissen oder die richtigen Begriffe kennen. Heute erlebe ich etwas anderes. Die Menschen sind neugierig und offen. Sie möchten genießen, Neues entdecken und sich austauschen. Genau dafür steht Wein eigentlich seit Jahrhunderten. München entwickelt dabei aus meiner Sicht seinen ganz eigenen Zugang zum Thema Wein. Veranstaltungen wie unsere „wein & beats“-Events, die MENZINGA Rooftop House Partys, das Menzinger Straßenweinfest, das Menzinga Winzerfest oder jetzt der Stadtweingarten zeigen, dass Wein längst nicht nur auf dem Land zuhause ist. Für mich geht es dabei nicht nur um ein paar Rebstöcke. Es geht darum zu zeigen, dass solche Ideen auch mitten in einer Großstadt funktionieren können. Wenn daraus etwas entsteht, das München langfristig bereichert, dann haben wir viel erreicht.
Was kommt als Nächstes? Welche neuen Projekte stehen an?
An Ideen mangelt es uns nicht. Die Herausforderung besteht eher darin, gute Ideen auch erfolgreich umzusetzen. Und genau daran arbeiten wir kontinuierlich. Gerade haben wir die Wahl der ersten Münchner Weinhoheit zelebriert. Damit möchten wir dem Thema Wein in München ein Gesicht geben und die Entwicklung der Münchner Weinkultur sichtbar begleiten.

Am 29. August 2026 findet bereits zum sechsten Mal unsere MENZINGA Rooftop Party „wein & beats“ statt. Die Veranstaltung hat sich in den vergangenen Jahren zu einem festen Bestandteil unseres Veranstaltungskalenders entwickelt. Aktuell starten wir dafür gerade den early bird Ticketvorverkauf.
Parallel dazu arbeiten wir an einem neuen Projekt: einem GG Club für Menschen, die GG verstehen und schätzen. Dabei geht es um Große Gewächse, besondere Begegnungen und außergewöhnliche Weinabende in einem exklusiven Rahmen. Die Teilnehmerzahl wird bewusst streng limitiert sein. Nicht jeder wird die Möglichkeit haben, dabei zu sein. Geplant sind Zugänge zu einigen der besten GG-Weine Deutschlands, private Tastings, limitierte Flaschen und besondere Veranstaltungen, die in dieser Form nicht öffentlich zugänglich sein werden. Kurz gesagt: Große Gewächse & große Abende. Die Teilnahme erfolgt ausschließlich auf Einladung.
Viele unserer Projekte entstehen aus Gesprächen mit Menschen, die unsere Begeisterung für Wein teilen und bereit sind, neue Wege mitzugehen. Deshalb freuen wir uns immer über Gleichgesinnte, die sich einbringen möchten. Wer Interesse hat, die Weinkultur in München aktiv mitzugestalten, kann sich jederzeit direkt an den Weinbauverein Menzing e.V. wenden. Neue Ideen gibt es genug – entscheidend sind die Menschen, die dabei helfen, sie Wirklichkeit werden zu lassen.
Weitere Informationen finden Sie hier: muenchnerwein.de




















