Mitten im kreativen Viertel Wynwood hat sich Otto & Pepe innerhalb kurzer Zeit zu einer der spannendsten Adressen für Liebhaber der italienischen Küche entwickelt. Statt einer klassischen Trattoria erwartet die Gäste ein durchdachtes Konzept: Der Weg führt zunächst durch einen Weinshop, bevor sich der Blick auf die offene Pastabar öffnet. Im Mittelpunkt stehen hausgemachte Pasta, ausgesuchte Naturweine und eine Cocktailkarte, die den Negroni in all seinen Facetten feiert. Für WORLDS OF FOOD spricht Mitgründerin Gabriela Chiriboga darüber, warum Pasta mehr Aufmerksamkeit verdient, weshalb Wein neugierig machen sollte und wie italienische Aperitivo-Kultur perfekt zum Lebensgefühl Miamis passt.
Frau Chiriboga, schon beim Betreten von Otto & Pepe hat man das Gefühl, auf eine kleine Entdeckungsreise zu gehen – vom Weinshop bis zur offenen Pastabar. Welche Geschichte wollten Sie mit diesem Konzept erzählen?
Ich wollte, dass sich Otto & Pepe wie ein Ort anfühlt, den man entdeckt – und nicht einfach wie ein Restaurant, das man betritt. Man kommt zunächst durch den Weinshop, ist von Flaschen und Feinkost umgeben, und erst nach und nach öffnet sich der Raum bis zur Pastabar. Diese Inszenierung schafft Intimität und macht neugierig.
Im Grunde erzählen wir die Geschichte des Italiens, das ich liebe: nicht übertrieben nostalgisch oder formell, sondern gesellig, spontan und geprägt von gutem Essen und gutem Wein. Man kann für ein Glas Wein und einen Teller Pasta vorbeikommen, länger bleiben als geplant und den Ort bei jedem Besuch neu erleben.
Wann hatten Sie das Gefühl, dass Miami bereit für ein Konzept ist, bei dem Pasta konsequent im Mittelpunkt steht? Was hat Ihnen in der Gastronomieszene gefehlt?
Miami hat sich gastronomisch enorm weiterentwickelt. Trotzdem fehlte mir ein italienisches Restaurant, bei dem Pasta wirklich der Hauptgrund für den Besuch ist – und nicht nur ein weiterer Menüpunkt auf einer langen Speisekarte.
Ich wollte einen Ort schaffen, der bewusst fokussiert und entspannt ist, gleichzeitig aber höchste Ansprüche an die Qualität stellt. Gäste sollen an der Bar sitzen, den Köchen bei der Pastaherstellung zusehen, eine großartige Flasche Wein bestellen und ein besonderes Erlebnis haben – ganz ohne steife Atmosphäre. Gerade Wynwood erschien mir dafür als der perfekte Stadtteil.

Viele Restaurants servieren Pasta – bei Otto & Pepe ist sie jedoch die Hauptdarstellerin. Warum verdient sie diese besondere Rolle?
Weil Pasta gleichzeitig unglaublich einfach und unglaublich komplex sein kann. Mit wenigen Zutaten lässt sich etwas Außergewöhnliches schaffen. Gleichzeitig gibt es keine Möglichkeit, Fehler zu verstecken: Stimmen Technik oder Zutaten nicht, merkt man das sofort.
Uns gefiel außerdem die Disziplin, ein gesamtes Restaurant auf eine einzige Produktkategorie auszurichten. Anstatt alles anbieten zu wollen, besitzt Otto & Pepe eine klare Identität: Pasta ist unsere Hauptdarstellerin.
Gibt es ein Gericht, das Ihre Philosophie besonders gut widerspiegelt?
Eigentlich sind es unsere schlichtesten Pastagerichte. Wenn nur wenige Zutaten auf dem Teller liegen, zählt jedes Detail – die Pasta selbst, ihre Konsistenz, die Sauce, der Käse, die Würzung und das perfekte Gleichgewicht. Diese Einfachheit beschreibt unsere Philosophie sehr gut. Wir möchten Gerichte nicht künstlich kompliziert machen, sondern Bekanntes so perfekt umsetzen, dass man sofort den nächsten Bissen nehmen möchte.
Welche Rolle spielen Herkunft und Qualität der Zutaten in Ihrer Küche?
Sie sind die Grundlage von allem. Je einfacher ein Gericht ist, desto wichtiger werden die Zutaten.Gleichzeitig wollen wir Herkunft nicht als Marketinginstrument nutzen. Eine Zutat gehört nur dann auf den Teller, wenn sie das Gericht wirklich besser macht. Deshalb arbeiten wir sowohl mit hervorragenden italienischen Produzenten als auch mit ausgewählten regionalen Lieferanten und greifen so wenig wie möglich in die Qualität ihrer Produkte ein.
Naturweine sind ein wesentlicher Bestandteil Ihres Konzepts. Was fasziniert Sie daran?
Vor allem die Menschen und Geschichten dahinter. Naturweine besitzen Persönlichkeit, überraschen manchmal und wecken Neugier – genau das passt zu Otto & Pepe. Deshalb ist unser Weinshop bewusst Teil des Restaurantkonzepts. Wein soll nicht einschüchtern, sondern Freude bereiten. Unsere Gäste sollen entdecken, Fragen stellen, neue Winzer kennenlernen und vielleicht einmal etwas bestellen, das sie sonst nie probiert hätten. Wein soll das Essen bereichern – nicht komplizierter machen.
Mit Ihrem Negroni-Programm bringen Sie außerdem ein Stück italienische Aperitivo-Kultur nach Wynwood. Was macht diesen Cocktail für Sie so besonders?
Der Negroni war für uns eine ganz natürliche Wahl, weil die Aperitivo-Kultur genau das verkörpert, wofür Otto & Pepe steht. Es geht nicht nur um den Drink, sondern um diesen besonderen Moment zwischen Arbeit und Abendessen: Freunde treffen sich, trinken etwas, essen eine Kleinigkeit und plötzlich bleibt man den ganzen Abend. Wir interpretieren den Negroni auf unterschiedliche Weise, ohne seinen ursprünglichen Charakter zu verlieren. So bringen wir ein Stück italienisches Lebensgefühl nach Miami – ergänzt um die Energie dieser Stadt.
Welche Gemeinsamkeiten sehen Sie zwischen der italienischen Esskultur und dem Lebensstil in Miami?
Mehr als viele vermuten würden. Beide Kulturen sind unglaublich gesellig. Essen ist kein Pflichtprogramm, sondern ein Anlass, Menschen zusammenzubringen. Außerdem gibt es diese wunderbare Spontaneität: Man trifft sich auf ein Getränk, daraus wird ein Abendessen, anschließend noch eine weitere Flasche Wein und plötzlich sitzen weitere Freunde mit am Tisch. Diese Dynamik verbindet Italien und Miami auf ganz natürliche Weise.
Gibt es Gerichte, die speziell für Miami entstanden sind und in Italien vielleicht überraschen würden?
Miami beeinflusst unsere Küche ganz selbstverständlich. Wir möchten gar nicht so tun, als läge Otto & Pepe in Italien – wir sind stolz darauf, ein Restaurant in Miami zu sein. Deshalb gibt es Kombinationen und Zutaten, die auf diese Stadt und ihre Gäste zugeschnitten sind. Manche würden in Italien vielleicht als unkonventionell gelten. Entscheidend ist für uns jedoch, dass jede Idee nachvollziehbar ist. Wir respektieren die italienische Handwerkskunst und die Seele der Küche, ohne Tradition als etwas Unveränderliches zu betrachten.
Was sollen Gäste mit nach Hause nehmen, wenn sie Otto & Pepe verlassen?
Ich wünsche mir, dass sie das Gefühl haben, einen Ort gefunden zu haben, an den sie unbedingt zurückkehren möchten. Natürlich sollen sie sich an die Pasta, den Wein oder einen großartigen Negroni erinnern. Noch wichtiger ist aber das Gefühl, das sie während ihres Besuchs hatten: willkommen zu sein, gut umsorgt zu werden, vielleicht sogar ein wenig überrascht zu sein – und schon darüber nachzudenken, wen sie beim nächsten Mal mitbringen möchten. Denn genau dann wird ein Restaurant mehr als nur ein Ort zum Abendessen. Es wird zu einem Lieblingsplatz.
Weitere Informationen: ottoandpepe.com





















