Wer durch die sanften Weinberge rund um Kaltern fährt, stößt früher oder später auf einen Ort, an dem sich Südtiroler Weintradition, Pioniergeist und ein feines Gespür für Natur verbinden: das Demeter-Weingut St. Quirinus. Hoch über dem Kalterer See, in Oberplanitzing verbindet eine junge Winzerfamilie biodynamisches Arbeiten mit dem Mut, Dinge neu zu denken: von pilzresistenten Rebsorten bis zum Ausbau in Tonamphoren.
Die Geschichte beginnt vergleichsweise spät. Zwar ist die Familie seit Generationen in der Landwirtschaft verwurzelt, doch erst 2013 fällt die Entscheidung, die Trauben nicht länger an die Genossenschaft zu liefern, sondern selbst zu vinifizieren. Was mit rund 8.000 Flaschen startet, ist heute auf etwa 60.000 angewachsen. „Den Weg von der Traube bis zur eigenen Flasche zu begleiten, verändert alles“, sagt Juniorchef und Kellermeister Michael Sinn. Es ist diese Nähe zum Produkt, die den Unterschied macht und die Handschrift jedes einzelnen Weins prägt.
Seit 2006 wird biologisch gearbeitet, seit 2013 ist das Weingut Demeter-zertifiziert. Biodynamische Präparate, Kompostwirtschaft und ein geschlossener Hofkreislauf gehören ebenso dazu wie Schafe, die im Winter die Weinberge pflegen. Dieses Konzept setzt sich im Keller fort: Zusatzstoffe werden auf ein Minimum reduziert, stattdessen stehen die Traube und ihr Terroir im Mittelpunkt.
Vielfalt aus Höhenlagen und Böden – Weingut St. Quirinus
Ein Blick auf die Weinberge zeigt, warum das Sortiment so breit ist: Die Parzellen liegen zwischen 230 und 700 Metern Höhe und sind über das gesamte Gebiet verstreut. Während in den warmen Lagen rund um den Kalterer See klassische rote Sorten wie Vernatsch, Lagrein oder Merlot gedeihen, finden sich in den höheren, kühleren Zonen Weißburgunder, Sauvignon Blanc und Chardonnay.
Besonders spannend ist der Fokus auf pilzresistente Rebsorten (PIWI). Bereits 2009 begann man mit deren Anbau, lange bevor sie zum Trend wurden. Sorten wie Johanniter, Bronner oder Aromera bilden heute die Basis für die „Plantis“-Linie, die nicht nur nachhaltig im Weinberg, sondern auch überraschend komplex im Glas ist.

Die Böden rund um Kaltern erzählen ihre eigene Geschichte. Vulkanischer Porphyr verleiht den Weinen Kraft und mineralische Salzigkeit, während kalkhaltige Dolomitböden eher für Eleganz und Finesse sorgen. Dieses Spannungsfeld spiegelt sich deutlich im Glas wider, etwa im Sauvignon „Planitzing“, der aus verschiedenen Ausbauarten komponiert wird: Edelstahl für Frische, Holz für Struktur, Amphore für Tiefe.
Gerade die Tonamphoren, die seit 2015 im Einsatz sind, stehen für den experimentellen Geist des Weinguts. Sie bringen eine zusätzliche Dimension in die Weine, vor allem in der Textur und Mineralität und eröffnen zugleich den Raum für neue Stilistiken. So entstehen hier auch Orange Wines, also Weißweine, die auf der Schale vergoren werden und durch ihre Struktur, Tiefe und leichte Oxidation bewusst aus dem klassischen Raster fallen. „Das sind keine Alltagsweine“, erklärt Michael. „Sie haben oxidative Noten, Gerbstoff, Komplexität, fast wie ein Rotwein. Das sind Weine zum bewussten Trinken, nicht für nebenbei.“ Die Zukunft sieht er aber klar in einem anderen Stil: elegant, frisch, trinkig, mit moderatem Alkohol und klarer Herkunft. Ein Trend, der sich unabhängig von Rebsorte oder Ausbau durchsetzt. Auch beim Thema alkoholfreier Wein bleibt das Weingut konsequent: Man verzichtet bewusst darauf. Der Grund ist nicht nur geschmacklicher Natur, sondern auch ökologischer. „Warum Wein aufwendig herstellen, um ihm danach den Alkohol in einem energieverschwendenen Prozess wieder zu entziehen?“ Stattdessen setzt man lieber auf hochwertige Säfte.
Eine prägende Partnerschaft: theiner’s garten
Ein entscheidender Moment in der jungen Geschichte des Weinguts führt direkt zum Bio Vitalhotel theiner’s garten in Gargazon, einem der Vorreiter nachhaltiger Hotellerie in Südtirol. Kurz nach der ersten Abfüllung fehlten dem jungen Betrieb noch Kontakte und Vertriebswege. Die ersten Flaschen wurden persönlich in Hotels und Bars vorgestellt, oft begleitet von einem Glas Wein und viel Überzeugungsarbeit. Dann kam die Einladung zu einem Bio-Wein-Event im Theiner’s Garten. Was folgte, war ein Durchbruch: Der „Plantis“ gewann nicht nur seine Kategorie, sondern wurde als bester Wein des gesamten Wettbewerbs ausgezeichnet. „Das war eine Sensation“, erinnert sich Michael. „Nicht nur wegen unseres Alters als Betrieb, sondern auch, weil ein Wein aus pilzresistenten Sorten gegen klassische Rebsorten gewonnen hat.“

Aus dieser Begegnung entstand eine enge Zusammenarbeit mit der Gastgeberfamilie Theiner. Bis heute kreiert das Weingut exklusiv die Hausweine des Hotels – die Cuvées „Maffei“ (weiß, aus 100 % PIWI-Trauben) und „Chrello“ (rot, teilweise PIWI). Die Weine werden gemeinsam abgestimmt und verkostet. Darüber hinaus ist das St. Quirinus fester Bestandteil des Gästeprogramms: Bei Ausflügen besuchen Hotelgäste das Weingut, lernen die Philosophie vor Ort kennen und erleben Wein dort, wo er entsteht. Ergänzt wird das durch Winzerapéros im Hotel: ein direkter Austausch zwischen Produzenten und Genießern. Für das Weingut ist diese Partnerschaft mehr als nur ein Vertriebskanal: „Es ist eine Ehre, mit einem Haus zusammenzuarbeiten, das wie wir für nachhaltige Qualität und echte Überzeugung steht.“
Weitere Informationen: st-quirinus.it




















