The 50 Best Restaurants 2026 - Art of Hospitality Award
Start / Gastro & Gourmet / Tuju gewinnt den Art of Hospitality Award 2026
The 50 Best Restaurants 2026

Tuju gewinnt den Art of Hospitality Award 2026

Das Restaurant Tuju aus São Paulo setzt auf eine neue Form der Gastfreundschaft: persönlich, aufmerksam und zutiefst brasilianisch.

Gastfreundschaft beginnt manchmal mit einer Kleinigkeit. Mit einer Lesebrille, die plötzlich auf dem Tisch liegt, weil ein Gast erwähnt hat, dass er seine vergessen hat. Mit Zeichenmaterial für ein Kind, das während des Menüs unruhig wird. Oder schlicht mit dem Gefühl, dass jemand aufmerksam zuhört – und bereits handelt, bevor aus einem kleinen Problem überhaupt eine Bitte wird.

Genau diese Haltung hat das Restaurant Tuju in São Paulo zum Gewinner des Art of Hospitality Award 2026 gemacht, der im Rahmen der Auszeichnungen von The World’s 50 Best Restaurants vergeben wird. Die Auszeichnung würdigt außergewöhnlichen Service, Wärme und das gesamte Restauranterlebnis. Über den Gewinner entscheidet die 50 Best Restaurants Academy: Jedes Mitglied nennt das Restaurant, in dem es innerhalb des 18-monatigen Abstimmungszeitraums seine persönlich beste Hospitality-Erfahrung gemacht hat.

Für Tuju ist die Auszeichnung keine Premiere. Bereits 2024 erhielt das Restaurant den Art of Hospitality Award im Rahmen der Latin America’s 50 Best Restaurants – als erstes Restaurant in Lateinamerika überhaupt. 2025 wurde Tuju zudem als Neueinsteiger auf Platz 70 der 50 Best Extended List der Plätze 51 bis 100 geführt.

The 50

Brasilianische Wärme statt distanzierter Perfektion

Im Zentrum des Konzepts steht eine Idee, die sich durch jeden Bereich des Restaurants zieht: Fine Dining soll sich nicht kühl oder distanziert anfühlen. Das Team möchte vielmehr die natürliche Wärme und Großzügigkeit Brasiliens mit einem hochklassigen Restauranterlebnis verbinden – und dabei die individuellen Wünsche und den persönlichen Raum jedes Gastes respektieren.

Tuju
Katherina Cordás und Ivan Ralston

Die treibende Kraft hinter Tuju ist Küchenchef und Inhaber Ivan Ralston. Er eröffnete das Restaurant 2014, nachdem er in einigen der renommiertesten Restaurants Europas gearbeitet hatte. Nach der Pandemie entschied er sich nicht für eine bloße Wiedereröffnung, sondern für einen kompletten Neuanfang. Tuju zog in ein eigens errichtetes, dreistöckiges Gebäude im São Pauloer Stadtteil Jardim Paulistano.

Dabei ging es nicht darum, mehr Gäste unterzubringen. Im Gegenteil: Gemeinsam mit Katherina Cordás, Director of Hospitality and Research, reduzierte Ralston die Zahl der Plätze auf rund ein Drittel der früheren Kapazität. Der Gedanke dahinter ist denkbar einfach: Je weniger Gäste, desto mehr Zeit bleibt für jeden Einzelnen – und desto persönlicher kann der Service werden.

Tuju: Die Kunst, Bedürfnisse zu erkennen

Ein entscheidender Bestandteil der Tuju-Philosophie ist deshalb die Fähigkeit, vorauszudenken. In einem unscheinbaren Schrank hält das Team Dinge bereit, die während eines Restaurantbesuchs unverhofft gebraucht werden könnten – von Lesebrillen bis zu Malutensilien für Kinder.

Die Gegenstände stehen nicht sichtbar herum und werden auch nicht routinemäßig angeboten. Sie kommen erst dann zum Einsatz, wenn sie tatsächlich passen. Das Prinzip: Ein gutes Restaurant löst Probleme, bevor der Gast sie überhaupt als solche formulieren muss.

Auch die Küche versteht sich als Teil dieser Form von Gastfreundschaft. Ralston und Cordás haben ein Menü entwickelt, bei dem die einzelnen Gerichte nicht nur kulinarische Stationen sind, sondern Gesprächsanlässe und Momente der Entdeckung.

Tuju

Statt klassischer saisonaler Menüs arbeitet Tuju mit klimatischen Themen. Regen, Feuchtigkeit, Wind oder Dürre dienen als Inspiration für die Menüs und ihre Gerichte. Ein großer Teil der Zutaten stammt von kleinen Produzenten aus der Region; andere Produkte und Techniken sind das Ergebnis jahrelanger Recherche des Teams.

„Wir freuen uns sehr, Tuju als Gewinner des diesjährigen Art of Hospitality Award bekannt zu geben“, sagt Rachael Hogg, Senior Content Editor bei The 50 Best Restaurants. „Das Team von Tuju schafft ein Hospitality-Erlebnis, das immersiv, zutiefst persönlich und bewusst entlang der Reise des Gastes gestaltet ist – mit unerwarteten und zugleich beglückenden Details.“

In vielerlei Hinsicht zeige Tuju, so Hogg, dass erstklassige Gastfreundschaft weniger mit überbordendem Luxus zu tun habe als mit durchdachtem Design, echter Aufmerksamkeit und dem Gefühl, als Gast wirklich wahrgenommen zu werden.

Wenn der Wein dem Gast folgt

Dieses Prinzip setzt sich auch beim Getränkeservice fort. Verantwortlich für das Weinprogramm sind Head Sommelier Thiago Frencl und Thiago Menezes. Gemeinsam betreut ihr Team einen Keller mit mehr als 5.000 Weinen brasilianischer und internationaler Produzenten.

Dabei gilt auch hier: Es geht nicht darum, um jeden Preis zu jedem Gang einen anderen Wein zu servieren. Stattdessen richten sich die Empfehlungen nach Stimmung und persönlichen Vorlieben des Gastes. Der Wein soll das Essen begleiten und bereichern – und nicht selbst zum Hauptdarsteller werden.

Signature Cocktails und anspruchsvolle alkoholfreie Pairings folgen derselben saisonalen Philosophie wie die Küche.

Für Ivan Ralston ist Gastfreundschaft letztlich das, was ein Restaurant über seine kommerzielle Funktion hinaushebt.

„Gastfreundschaft ist das, was über die kommerzielle Seite eines Restaurants hinausgeht. Sie gibt dem Erlebnis Tiefe und bringt die menschlichste Seite unserer Branche zum Ausdruck“, sagt der Küchenchef. „Die nächste Revolution der Gastronomie wird nicht in den Küchen stattfinden, sondern im Gastraum – durch Menschen, die in der Lage sind, Seelen zu berühren und zu würdigen, was es wirklich bedeutet, ein Restaurant zu sein.“

Die 50 Best Restaurants 2026

Der Art of Hospitality Award ist die zweite von mehreren Auszeichnungen, die im Vorfeld der diesjährigen The 50 Best Restaurants-Verleihung bekannt gegeben werden. Die große Preisverleihung findet am Mittwoch, 4. November 2026, in Lima, Peru, statt.

Zum Programm gehören erneut die 50 Best Talks, ein Forum zu aktuellen Themen der internationalen Hospitality-Branche, sowie die 50 Signature Sessions. Bei den öffentlich zugänglichen Dinner-Events kochen die ausgezeichneten Küchenchefs gemeinsam mit renommierten lokalen Talenten. Ein Chefs’ Feast wiederum stellt die besonderen Produkte und kulinarischen Traditionen der Gastgeberregion in den Mittelpunkt.

Am Ende steht der Countdown zu den The World’s 50 Best Restaurants 2026 – und damit die Frage, welche Restaurants in diesem Jahr zur internationalen Spitze der Gastronomie zählen werden.

Für das Tuju ist eine Sache bereits entschieden: In São Paulo hat das Restaurant gezeigt, dass große Gastfreundschaft nicht unbedingt laut, opulent oder spektakulär sein muss. Manchmal liegt ihre größte Wirkung gerade in den kleinen Dingen – in Aufmerksamkeit, Wärme und dem richtigen Moment.

Alle weiteren Informationen unter: www.the50.com und www.tuju.com.br

Markiert: