Der Ursprung des modernen Weinglases
Während die acht Generationen vor Claus Riedel alles produzierten – von Glasfaserfunk¬en bis zu Katzenaugen – war die Idee des traubenspezifischen Weinglases revolutionär. Claus Riedel erkannte, dass ein Glas nicht einfach schön sein sollte, sondern funktionieren muss: Die Form sollte dem Charakter eines Weins dienen. In den 1970er-Jahren perfektionierte sein Sohn Georg diese Philosophie, indem er eng mit Winzern arbeitete und herausfand, wie Glasform, Aroma und Wahrnehmung zusammenspielen. Das Ergebnis: die weltweit ersten Gläser, die spezifisch für Rebsorten entwickelt wurden. Heute gilt Riedel als Referenz – und ist dennoch technologisch einsamer Vorreiter: kein anderer Hersteller ist bislang in der Lage, maschinell so leichte, dünnwandige und dennoch belastbare Gläser zu produzieren. Werke in Tirol und der Oberpfalz arbeiten am Limit der Möglichkeiten. Doch die Zukunft des Handwerks steht auf der Kippe: „Der Beruf des Glasmachers existiert in Österreich nicht mehr“, sagt Riedel offen. Ein Traditionsberuf stirbt – und nur die maschinelle Perfektion rettet das.
Die Weinglas-Experience: Warum die Form den Geschmack verändert
Im Zentrum der Riedel Weinglas Experience steht jedoch nicht die Historie, sondern das Geschmackserlebnis: vier Rebsorten, vier Gläser der Serie Riedel Veloce – los geht‘s: Mit dem Riesling-Glas beginnt die sensorische Reise. Ein Riesling, eingeschenkt in der von Riedel empfohlenen „zwei Finger“-Menge, entfaltet darin sein volles aromatisches Potenzial. Das speziell geformte Riesling-Glas gibt dem Wein genau den Raum, den er braucht: genug Luftkontakt für Balance und Temperaturstabilität, aber vor allem ausreichend Platz für die Nase. Sofort öffnet sich ein Aromenspiel aus intensiven Citrusnoten, Grapefruit, Limette, einem Hauch Orange Blossom und klarer Mineralität. Der Wein zeigt Tiefe, Struktur und Spannung – so expressiv, wie er nur sein kann. Riedel erklärt, warum das so ist: Die Glasform bündelt primäre und sekundäre Aromen und lenkt sie präzise zur Nase. Was im Glas passiert, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis glasbläserischer Feinabstimmung. Dann folgt Glas Nummer zwei, ein Chardonnay-Glas – ein anderes Volumen, eine andere Formensprache, derselbe Riesling. Beim Schwenken, dem sogenannten „Double Swirl“, wird der Unterschied erst recht deutlich: Während das Glas für den Riesling den Wein elegant die Glaswand hinaufzieht und die Aromen gezielt freisetzt, verliert sich der Riesling im größeren Glas. Seine Duftnoten verflüchtigen sich schneller, seine Komplexität wirkt diffuser.Der große Aha-Moment kommt jedoch erst beim Trinken. Riedel führt vor, dass der Mundrand eines Glases darüber entscheidet, wohin der Wein auf die Zunge trifft – ein Detail, das das gesamte Geschmacksbild bestimmt. Das Riesling-Glas lenkt den Riesling präzise auf die Zungenspitze, dort, wo Frucht und Süße wahrgenommen werden. Die Säure wird harmonisiert, die Frucht wirkt saftig und klar, der Wein erscheint ausgewogen und lang am Gaumen. Das Chardonnay-Glas hingegen zwingt den Wein breit auf den hinteren Zungenbereich, ohne Kontakt zur Zungenspitze: Der Riesling schmeckt plötzlich trockener, kantiger, bitterer, und seine Säure tritt deutlich hervor. Selbst die Textur verliert an Eleganz.

Schluck für Schluck wird den Gästen bewusst, wie dramatisch die Form eines Glases den Geschmack eines Weines verändern kann. Im ersten Glas wirkt der Riesling fruchtbetont, klar, ausgewogen und mineralisch. Im zweiten Glas dagegen erscheint derselbe Wein kürzer, trockener, bitterer und weniger tief. Es ist derselbe Riesling – aber zwei völlig unterschiedliche Erlebnisse. Es scheint, als stünde ein zweiter Wein vor den Gästen. In einer Blindverkostung, betont Riedel, würden selbst Profis glauben, zwei verschiedene Weine im Glas zu haben.
Nach vier unterschiedlichen Weinen und vier verschieden geformten Gläsern, bringt Riedel es auf den Punkt: „Der Wein bleibt derselbe, aber das Glas verändert alles. Bevor Sie also darüber nachdenken, mit wem Sie trinken, denken Sie lieber darüber nach, aus welchem Glas Sie trinken.“
Funktion vor Form
Riedel beschreibt das Glas als Übersetzer: Es verändert den Wein nicht, aber seine Fähigkeit, mit uns zu kommunizieren. Sauerstoffkontakt, Oberflächenverhältnis, Mundranddicke – all das beeinflusst, wie Aromen die Nase erreichen, wie der Wein über die Zunge fließt und wie sich Struktur im Mund anfühlt. Der Effekt ist wissenschaftlich belegbar – aber vor allem sinnlich erfahrbar. Die Riedel Weinglas Experience zeigt eindrucksvoll, dass Genuss kein Zufall ist. Es ist ein fein aufeinander abgestimmtes Zusammenspiel aus Wein, Glas und Moment. Und sie zeigt auch, wie viel Geschichte, Innovation und Passion in einem einzigen Glas steckt.Alle weiteren Informationen unter: www.riedel.com












