Silvester und die Tradition am Esstisch www.istockphoto.com/sbossert
Essen und Trinken

Silvester und die Tradition am Esstisch

Wenn zum Jahreswechsel pünktlich um null Uhr die Gläser „zum Wohl“ erhoben werden, sind sich die meisten Deutschen einig, was drin sein muss: Schampus – oder zumindest schön prickelnder Sekt. Große Unterschiede gibt es dagegen bei der Verköstigung der Feiernden im Laufe des Silvesterabends. In Deutschland haben sich in punkto Silvesteressen die verschiedensten Bräuche herausgebildet, die ihre ganz eigene Geschichte haben. Wir sind ihnen auf den Grund gegangen.

Es ist nicht ganz einfach, die diversen Leibgerichte geographisch einwandfrei einzuordnen. Mancherorts herrschen althergebrachte Traditionen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden, während anderswo mal eben die eigenen Gaumenfreuden flugs zur Familientradition erklärt werden. Außerdem sorgen Einwanderung und Umzüge innerhalb Deutschlands für ein kunterbuntes Gemisch. Wir erheben daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit – interessant ist es aber allemal.

Schwein gehabt!

Mit diesem Ausruf freut man sich bekanntlich über besonders glückliche Umstände. Da ist es kein Wunder, dass einige traditionsbewusste Bundesbürger bis heute auf Schweinsprodukte zum Jahresende setzen. Denn Schweine bringen Glück und sind außerdem ein Zeichen für Wohlstand – das wussten schon die alten Germanen, bei denen Schweine hohes Ansehen besaßen. Wer also das ganze Jahr über Glück haben will, der setzt auf Fleisch vom Frischling oder Keule vom Keiler.

Wem der Sinn nach anderen Speisen steht: Zur Not tut es auch ein kleiner Anhänger oder ein Ferkelchen aus Marzipan oder Schokolade, dann hat man das ganze Jahr über „Schwein“. Geflügel ist in dieser Hinsicht eher verpönt, denn damit „fliegt das Glück davon“.

Reichtum und Wohlstand durch Sauerkraut und Suppe

Eine hervorragende Ergänzung ist das Sauerkraut, denn diesem sagt man finanzielle Wunderdinge nach – so viel Geld, wie Kraut im Topf ist. Dieser Brauch scheint speziell im rheinischen Raum gepflegt zu werden.

Weit bringen kann man es auch mit Erbsen- oder Linsensuppe, die in mittel- und ostdeutschen Gegenden zum Jahreswechsel dazugehören. Hat man sie ausgelöffelt, ist der Bedarf an Kleingeld für das neue Jahr gesichert. Andererseits deutet ein Überbleibsel darauf hin, dass man auch im neuen Jahr keinen Hunger leiden wird. Also am besten den Teller, aber nicht den ganzen Topf leeren.

Karpfen für den Geldbeutel

Wenn Donald Duck seine Geldbörse öffnet, beherbergt diese meistens nur eine kleine Motte, aber keine Geldscheine. Findige Deutsche begegnen dieser Gefahr, indem sie ihr Portemonnaie mit der Schuppe eines Karpfens ausstatten. Dieser wird zuvor ganz traditionell als „Karpfen Blau“ verzehrt, vor allem in Schleswig-Holstein und der Lausitz. „Blau“ übrigens deswegen, weil der Fisch vor dem Kochen nicht abgeschuppt wird und deswegen eine bläuliche Färbung annimmt.

Silvesterkarpfen machen für Fischhändler einen nicht unbeträchtlichen Teil des Jahresgeschäfts aus. Kein Wunder, dank der Schuppe wird schließlich immer genug Geld vorhanden sein – sagt man zumindest. Es gibt auch den Brauch, statt des Karpfens einen Heringssalat auf den Tisch zu stellen. Von diesem wird allerdings kein positiver Effekt auf die eigenen Finanzen erwartet.

Berliner / Krapfen / Pfannkuchen / Kreppel

Über den Namen des mit Marmelade gefüllten und in Fett ausgebackenen Leckerbissens mag man sich in Deutschland streiten. Tatsache ist aber, dass der Berliner für viele nicht nur zu Fasching, sondern auch zu Silvester dazugehört. Dabei wird üblicherweise eines der Stückchen mit Senf statt mit Pflaumenmus oder Aprikosenmarmelade gefüllt – für Spannung ist also gesorgt. Es scheint sich hierbei auch um eine eher norddeutsche Tradition zu handeln, die mittlerweile aber in ganz Deutschland Anklang findet.

Wie der Berliner erfunden wurde, ist nicht ganz klar, aber Vorläufer der runden Köstlichkeiten gab es schon im alten Ägypten. Im Mittelalter sollen Mönche dem Genuss von Krapfen gefrönt haben, wahrscheinlich vor der Fastenzeit. Berühmt ist die Legende eines Berliner Kanoniers im 18. Jahrhundert, der für seine Kollegen Kanonenkugeln aus Teig geformt und dem Berliner so seinen Namen verpasst haben soll.

Raclette und Fondue sind auf dem Vormarsch

Jede Generation schafft ihre eigenen Traditionen. Wer heute an Silvester eine Gruppe von Freunden zum gemütlichen Beisammensein einlädt, der tischt oftmals Raclette oder Fondue auf. So ist für jeden etwas dabei und die gesellige Runde am Tisch sorgt für gute Laune.

Aber auch die jüngeren unter uns sind für Traditionen durchaus zu haben. Anders ließe sich der Erfolg der Feuerzangenbowle, die spätestens seit dem Film mit Heinz Rühmann allein ein Begriff ist, nicht erklären.

Vielleicht war ja auch für Ihren Silvesterabend genau das richtige dabei und auch Sie begründen zu diesem Jahreswechsel ihre ganz eigene Tradition. Und ganz gleich, was bei Ihnen auf Tisch stehen wird – worlds of food wünscht allen Lesern Guten Appetit und einen guten Rutsch ins neue Jahr!
Dieser Beitrag stammt von und dem worldsoffood-Team