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Fisch – welcher darf bedenkenlos auf den Tisch? www.pixelio.de/Rainer Sturm

Fisch – welcher darf bedenkenlos auf den Tisch?

Fisch ist lecker und gesund. Doch wer ihn essen möchte, steht beim Kauf vor Problemen. Viele Meere sind überfischt und zahlreiche Fischarten deshalb bedroht. Welche Sorten darf man also bedenkenlos essen, auf welche sollte man verzichten? Informationen findet man im neuen Einkaufsratgeber für Speisefisch von Greenpeace.

Forelle und Karpfen dürfen jederzeit auf den Tisch, von Rotbarsch und Aal sollte man die Finger lassen. In der neuen Ausgabe des Einkaufsratgebers für Speisefisch hat Greenpeace insgesamt 80 Arten, aufgeteilt in 380 Wild-Fischereien und Aquakulturen hinsichtlich ihrer Gefährdung aufgelistet. Der Fischratgeber im handlichen Format kann zu jedem Einkauf mitgenommen werden. Im Fischratgeber sind zwar nicht alle Produkte aus der Kühltheke der Supermärkte aufgelistet, jedoch sollte bei guten Produkten neben der Fischart auch Fanggebiet und Fangmethode aufgedruckt sein. Anhand dieser Kriterien findet man im Fischratgeber eine Einordnung für die Kaufentscheidung.

Welcher Fisch darf gekauft werden?

Bei Kabeljau, Lachs und Hering beispielsweise sollte der Käufer aufpassen und die Kennzeichnung auf der Verpackung mit dem Ratgeber vergleichen. Bei diesen Arten kommt es auf vor allem auf die Fangmethode an.

Der allseits beliebte Alaska-Seelachs, die Schillerlocke, der „Modefisch“ Pangasius sowie Sprotten sollten hingegen nicht gekauft werden. Sie sind alle mit einer roten Kennzeichnung versehen und werden nicht empfohlen.

Empfehlungen beachten

Heilbutt ist im Ratgeber zwar rot gekennzeichnet, hat aber viele Ausnahmen. Gleiches gilt für Schellfisch und Scholle. Auch Shrimps und Thunfisch sollten nur nach eingehender Betrachtung des Fischratgebers in den Wagen gelegt werden.

Zander dagegen ist nicht so stark überfischt. Er sollte allerdings nicht gekauft werden, wenn er im Wildfang gefischt wurde. Ansonsten darf er gerne mit Kartoffeln und passender Sauce auf den Teller.

Auf Siegel nicht immer Verlass

Um Fisch aus nachhaltiger Fischerei zu kaufen, kann der Verbraucher auf bestimmte Güte- und Qualitätssiegel achten. Das MSC-Siegel (Marine Stewardship Council) ist oval und blau, mit einem weißen Fisch in der Mitte. Das FOS-Siegel (Friend of the Sea) besteht aus einem äußeren roten Ring, einer blauen Füllung und darin einem Segelboot im Wellengang.

Allerdings Achtung: Auch Produkte mit diesen Siegeln sind nicht immer einwandfrei. Eine aktuelle Studie des Geomar-Instituts für Ozeanforschung in Kiel ist zu dem Ergebnis gekommen, dass auch auf die Siegel nicht immer Verlass ist.

„Nur etwa die Hälfte der MSC-zertifizierten Produkte stammte aus nachweislich gesunden Beständen mit angemessen niedrigem Fischereidruck. Etwa ein Drittel der zertifizierten Fischbestände war zu klein und wurde gleichzeitig zu hart befischt. Die übrigen Bestände waren entweder zu klein, zu hart befischt oder es lagen keine belastbaren Informationen vor", fasst Autor Dr. Rainer Froese die Ergebnisse der Untersuchung zusammen. Zudem gibt es Zweifel an der Unabhängigkeit der Gutachter, die die Fischereien zertifizieren, da diese von den Fischerei-Unternehmen bezahlt werden. Dennoch: „Die Produkte von MSC oder FOS sind sicherer als nicht zertifizierte Ware. Die Wahrscheinlichkeit, dass Fische aus nachhaltigem Fang stammen, ist mit MSC oder FOS-Siegel drei bis viermal höher als bei Meeresfrüchten ungeprüfter Anbieter“, so Froese.

Politische Entscheidungen wesentlich

„Die Überfischung der Meere ist nach wie vor weltweit dramatisch“, sagt Iris Menn, Meeresexpertin von Greenpeace. „Die Politik schafft es bisher nicht, sich gegen die wirtschaftlichen Interessen der Fischindustrie durchzusetzen. Daher spielen engagierte Verbraucher eine wichtige Rolle. Sie können mit ihrem Kauf dem Handel und der Politik zeigen, dass sie ein umweltfreundliches Fischangebot möchten.“

Noch in diesem Jahr verhandelt die Europäische Kommission über eine neue gemeinsame Fischereipolitik. Bisher ist es den Fischereiministern nicht gelungen, die zu große Fangkapazität der EU-Fischereiflotte in Griff zu bekommen. Auch in Deutschland ist laut Greenpeace wenig Engagement zu spüren.

EU-Fangflotte in Westafrika

Die EU-Fangflotte fischt nicht nur in europäischen Gewässern. Gerade in den Fischgründen von Westafrika sind viele Trawler unterwegs. Dies haben Kontrollfahrten von Greenpeace in den letzten zwei Monaten bewiesen. Um eine Besserung der Fischbestände zu erreichen muss nach Angaben der unabhängigen Umweltorganisation auch die EU ihre Fangkapazitäten verringern und den Meeren eine Pause gönnen. „Nur so können sich die bedrohten Fischbestände erholen“, sagt Menn.

Durchschnittlich 16 Kilogramm Fisch ist jeder Deutsche pro Jahr. Da ist es wichtig auf den bewussten Einkauf zu achten.


Hier können Sie den Fischratgeber und passende Erläuterungen von Greenpeace herunterladen.

Dieser Beitrag stammt von und dem worldsoffood-Team