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Mein Blind Date mit dem Leben – Interview mit Saliya Kahawatte Steven Haberland
Zum Erscheinen der DVD / Blu-ray

Mein Blind Date mit dem Leben – Interview mit Saliya Kahawatte

Saliya Kahawatte wurde mit 15 Jahren fast komplett blind, eine Netzhautablösung kostete ihn über 90 Prozent seiner Sehkraft. Das hinderte ihn aber nicht daran, seinen Traum einer Karriere in einem Luxus-Hotel in München und in der Gastronomie in die Tat umzusetzen. Seine bewegende Geschichte wurde in „Mein Blind Date mit dem Leben“ verfilmt und erscheint nun fürs Heimkino. Wir haben mit Saliya Kahawatte über sein Leben, den Film und das zugehörige Kochbuch gesprochen.

worlds of food: Herr Kahawatte, zunächst einmal, wie schafft man es, nach einer solchen Diagnose nicht den Mut zu verlieren?

Saliya Kahawatte: Ich bin recht schwer zu erschüttern, es ist ein Teil meiner Persönlichkeit. Die Diagnose war damals für mich und mein Umfeld sehr hart und schwierig. Mir wurde jedoch schnell klar, dass nur ein offensiver Umgang mit meiner Behinderung verbunden mit einer massiv erhöhten Leistungsbereitschaft den Verbleib in der Welt der Sehenden ermöglichen würde. So wurde aus dem Umgang mit einer Herausforderung eine außergewöhnliche Geschichte.

worlds of food: Im Film werden die Probleme, die auf Grund Ihres eingeschränkten Sehvermögens entstehen, größtenteils sehr humorvoll dargestellt. Wie schwer war es wirklich und wie lange hat es denn tatsächlich gedauert, bis Sie sich nach der Erkrankung wieder richtig zurechtgefunden haben?

Saliya Kahawatte: Als ich versuchte, mit meinem geringen Restsehvermögen klar zu kommen, kam es neben tragischen Momenten natürlich auch zu vielen komischen Begebenheiten. Die Balance zwischen Tragik und Komik ist vom Regisseur Marc Rothemund im Film herausragend umgesetzt worden. Natürlich war es nicht einfach für mich, zunächst in Schule und Alltag zurecht zu kommen, aber die Tatsache, dass ich meinem Handicap mit Mut, Entschlossenheit und Vorstellungskraft begegnete, ließ mich persönlich reifen. Am Ende wuchs ich schnell mit meinen neuen Aufgaben und wurde mit ihnen besser fertig als es die Fachleute vorhergesagt hatten.

worlds of food: Welche Hindernisse waren größer auf Ihrem Weg? Gegenstände, die im Weg standen, oder Menschen wie der Restaurantchef im Film, die Ihnen Steine in den Weg legten?

Saliya Kahawatte: In der Gesamtschau der Hindernisse, die sich mir in meinem Leben in den Weg stellten, möchte ich zuerst zwischen selbst verschuldeten und unverschuldeten Hindernissen differenzieren:

Visuelle Hindernisse stellten und stellen sich mir bis heute in den Weg und ich muss immer wieder aufs Neue überlegen, wie ich mit den Situationen fertig werde. Zum Glück habe ich heute zuverlässige Assistenten an meiner Seite, die mir stets helfen, im Alltag besser zurecht zu kommen. Dafür bin ich unendlich dankbar.

Dadurch, dass ich meine Behinderung lange verschwieg und dennoch in der Top-Hotellerie arbeiten wollte, kam es zwangsläufig dazu, dass Vorgesetzte mit meinen Arbeitsergebnissen nicht zufrieden waren und mich zu recht ermahnten. Diesen Missstand hatte ich selbst verschuldet.

saliya kahawatte

worlds of food: Können Sie uns beschreiben, wie es ist, wenn sich plötzlich die anderen Sinne schärfen, wenn einer so stark nachlässt?

Saliya Kahawatte: Als mich meine Augen damals „im Stich“ ließen, hatte ich Probleme, in der Schule klar zu kommen. Ich konnte die Tafel nicht mehr erkennen und bemerkte, wie ich dem Unterricht plötzlich mit den Ohren folgte. Nach kurze Zeit erkannte ich, dass ich besser zuhören und mir das Gehörte mühelos einprägen und wider aufrufen konnte. Am Ende konnte ich mir den Unterrichtsstoff eines ganzen Schultages merken.

worlds of food: Führt dies auch zu lustigen Situationen und wie reagierte Ihr Umfeld darauf?

Saliya Kahawatte: Meine Mitschüler und meine Lehre zeigten sich gleichermaßen irritiert über meine ungewöhnliche Fähigkeit, mir in sehr kurzer Zeit viel Lernstoff präzise merken zu können, ohne mir Notizen zu machen. Im späteren Studium griff ich erneut auf diese Fähigkeit zurück und entwickelte sie weiter. „Das ist doch unmöglich, dein Gehirn ist wohl ein High-Tech-Computer!“, hörte ich immer wieder. Mein Umfeld konnte damit nicht so recht umgehen und war eher verwundert als begeistert. Heute denke ich, dass Dritte mit meinem unkonventionellen Umgang mit meiner eigenen Behinderung manchmal überforderter sind als ich selbst.

worlds of food: Wie kam es dazu, dass Sie ein Kochbuch geschrieben haben?

Saliya Kahawatte: Meine Fans schrieben mir in Briefen und Mails, dass ich in meiner Biografie zwar von meiner Art zu kochen berichtete, aber dies inhaltlich nicht weiter ausführte. Mehrfach wurde ich gebeten, ein Saliya-Kochbuch zu schreiben. Ich trug alle meine Rezepte zusammen, ordnete sie nach Kategorien und gab dem Ganzen Struktur. So entstand mein autobiografisches Kochbuch, in dem ich meine Kultur des Kochens mit meinen Lesern teile. Zum Kochbuch erschien meine Gewürz- und Tee-Kollektion im „Saliya-Style“. Aktuell arbeite ich an meinem zweiten Kochbuch und gebe Saliveda-Kochkurse in Hamburg.

worlds of food: Kochen Sie selbst täglich?

Saliya Kahawatte: Meine Liebe zu frisch gekochtem und gesundem Essen mit regionalen Produkten ist ungebrochen. So oft es mein mitunter hektisches Leben erlaubt, kaufe ich meine Lebensmittel täglich frisch ein und bereite sie mir anschließend zu, um sie mit Leidenschaft zu genießen. Allerdings bin ich kein Dogmatiker! Wenn ich unterwegs bin, keine Zeit zum Kochen finde und Hunger habe, darf es auch mal etwas aus dem Restaurant oder Take-Away sein.

worlds of food: Hätten Sie abschließend noch ein Rezept für unsere Leser? Sowohl als Tipp fürs Leben, als auch tatsächlich eines zum Nachkochen…

Saliya Kahawatte: Als Lebenstipp kann ich empfehlen, immer auf seine positive Haltung zu achten, denn nur so hat man positiven Einfluss auf seine Denkmuster und am Ende auch auf die Qualität seiner Handlungen. Die einzige Behinderung, die man aus meiner Sicht im Leben haben kann, ist eine negative Haltung!

Und als Kochrezept schlage ich das folgende vor: Rotes Kokos-Süppchen mit Koriander und Sesam – Dieses Rezept finden Sie hier

Weitere Informationen zu Saliya Kahawatte finden Sie hier: www.saliyakahawatte.de

mein blind date mit dem lebenHintergrund

Mein „Blind Date mit dem Leben“ ist die Verfilmung des gleichnamigen Buchbestellers, der auf der wahren Geschichte von Saliya Kahawatte beruht, der - fast komplett blind - seinen Traum einer Karriere in einem Luxus-Hotel verfolgt. Zur Verfilmung wurde von Saliya Kahawatte auch ein passendes Kochbuch zur Verfilmung herausgebracht. Marc Rothemunds Feel-Good-Komödie mit Kostja Ullmann, Jacob Matschenz und Anna Maria Mühe ist seit dem 27. Juni als DVD, Blu-ray sowie digital zu haben.



Der Filmtrailer

Dieser Beitrag stammt von und dem worldsoffood-Team
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