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Butter bei die Fische!

Kulinarische Redewendungen: Herkunft und Bedeutung

Jetzt mal Butter bei die Fische: Wenn Sie mal wieder Ihren Senf dazu geben, wissen Sie dann eigentlich genau, wovon Sie sprechen? Wir wetten, dass Sie uns in Sachen kulinarische Redewendungen und deren Herkunft und Bedeutung nicht das Wasser reichen können.

Kulinarische Redewendungen interessieren Sie nicht die Bohne? Und was hat das Gemüse mit Interesse zu tun? Wenn wir sagen, dass uns etwas nicht die Bohne interessiert, bekunden wir mehr als deutlich unser Desinteresse. Die Redewendung stammt aus dem Mittelalter. Obwohl man damals ohnehin nicht viel zu Essen hatte, hätte sich sogar zu dieser Zeit niemand um eine einzelne Bohne bemüht. Das haben Sie gewusst? Bravo, dann sprechen wir hiermit einen Toast auf Sie aus! Diese kulinarische Redewendung stammt angeblich aus England. Im 18. Jahrhundert tunkte man bei großen Festessen eine Scheibe gerösteten Toast in den Wein ein, um den Geschmack des Brotes zu verbessern. Wein gehörte ebenso zum Fest dazu wie die Festrede. Einen Toast sprach man immer dann aus, wenn man das Glas Wein zu einem Trinkspruch anhob.

Apropos Wein: Sie sind auf den Geschmack gekommen und möchten, dass wir Ihnen in Sachen kulinarische Redewendungen weiterhin reinen Wein einschenken? Dann verraten wir Ihnen umgehend die Wahrheit über selbige Redewendung. Auch dieses Sprichwort entstammt dem Mittelalter, als die Gastwirte ihren Wein aus Sparmaßnahmen mit Wasser verdünnten. Nur diejenigen, die ihren Gästen reinen, unverdünnten Wein einschenkten, galten als ehrlich. Ansonsten waren Hopfen und Malz verloren. Auch schon im Mittelalter! Seitdem wurden zur Herstellung von Bier die Grundstoffe Hopfen und Malz verwendet. War die Zusammensetzung falsch oder die spätere Gärung schlug fehl, waren sowohl die Grundstoffe als auch das Ergebnis nicht brauchbar. Heute meint der Ausdruck im übertragenen Sinn: Jemandem ist nicht mehr zu helfen. Falls Sie an dieser Stelle auch gern Ihren Senf zum Thema kulinarische Redewendungen abgeben würden, dann halten Sie es wie die Wirte im 17. Jahrhundert. Daher rührt nämlich das Sprichwort. Ohne zu fragen, servierten diese ihren Gästen zu jedem Essen eine ordentliche Portion Senf. Sie ahnen es schon: Wenn wir heute unseren Senf dazu geben, dann mischen wir uns ungefragt penetrant in ein Gespräch ein.

Und, würden Sie sagen, dass Sie uns in Sachen Erklärung kulinarischer Redewendungen nach den vorausgegangenen Zeilen das Wasser reichen können? Feststeht, dass wir in diesem Artikel ziemlich neunmalklug daherkommen wie einst die Wirte, die stets ihren Senf dazugaben. Darum lassen wir es uns auch nicht nehmen, Sie auch noch über die Geschichte mit dem Wasser aufzuklären. Die führt uns abermals ins Mittelalter zurück, als nicht mit Besteck, sondern mit bloßen Fingern gegessen wurde. Um den Mindestanforderungen der Hygiene zu entsprechen, wurde vor und nach dem Essen eine Schale Wasser gereicht, um den Gästen das Waschen der Finger zu ermöglichen. Gereicht wurde das Wasser zu Hofe von einem Untergebenen des Hausherrn. Die Untergebenen, die es nicht wert waren, den Gästen das Wasser zu reichen, waren im übertragenen Sinne soweit vom Standard derselben entfernt, dass sie ihnen nicht das Wasser reichen konnten.

All das wussten Sie nicht? Macht nichts, bei so viel Besserwisser-Gehabe unsererseits brauchen Sie auch nicht die beleidigte Leberwurst spielen. Denn auch das, wen wundert es jetzt noch, war Sache des Mittelalters. Hier betrachtete man die menschliche Leber als Organ, das für Reaktionen zuständig ist. Die Gelehrten gingen davon aus, dass alle Gefühle des Menschen in der Leber produziert werden – so kam es bei Menschen, die sauer waren zu dem Sprichwort der beleidigten Leber. Die Wurst gesellte sich erst später zur kulinarischen Redewendung hinzu. Genauer gesagt dann, als die Vorstellung um die Leber als Sitz der Gefühle verlorengegangen war. Kurzerhand erfand man nachträglich eine Erzählung, in der ein Metzger verschiedene Würste kochte und alle Würste, die nicht so lange kochen mussten, vor der Leberwurst aus dem Kessel nahm. Keine gute Idee: Weil sie allein im Kessel verblieb, war die Leberwurst beleidigt und platzte schließlich vor Wut.

Na dann, bei so viel dazugewonnenem Wissen ist doch jetzt alles in Butter, finden Sie nicht?

Dieser Beitrag stammt von und dem worldsoffood-Team