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Münchner Tafel: Die Breitners sorgen für die Brotzeit Derk Hoberg
Soziales Engagement

Münchner Tafel: Die Breitners sorgen für die Brotzeit

Bei der Eröffnung einer neuen Ausgabestelle für Lebensmittel der Münchner Tafel e.V. treffen wir Fußball-Weltmeister Paul Breitner zum Gespräch. Seine Ehefrau Hilde und er engagieren sich seit Jahren für den mildtätigen Verein und leiten jeden Montag sogar eine eigene Ausgabestelle. Dort verteilen Sie mit anderen ehrenamtlichen Helfern Lebensmittelspenden von Unternehmen und Supermärkten an all diejenigen, die in Armut leben. Alleine in München sind das insgesamt über 200.000 Menschen von denen die Münchner Tafel inzwischen immerhin 18.000 unterstützen kann.

2 Hilde BreitnerHilde und Paul Breitner im Gespräch mit einem ehrenamtlichen Kollegen.
worlds of food: Herr Breitner, Sie engagieren sich bereits seit einem Jahrzehnt für die Münchner Tafel. Wie kam es dazu?
Paul Breitner: Der Kontakt kam ursprünglich über Bekannte zustande, die uns vor Jahren von ihrem Engagement bei der Münchner Tafel erzählten. Meine Frau hat daraufhin begonnen, an der Ausgabestelle in Milbertshofen und im Hasenbergl mitzuhelfen. Ich habe sporadisch mitgemacht, immer dann, wenn es meine Zeit zugelassen hat. Als meine Frau dann aber vor drei Jahren eine eigene Ausgabestelle eröffnet hat, habe ich beschlossen, meine Termine zukünftig so zu arrangieren, dass ich jeden Montag mithelfen kann.

worlds of food: Trotz all Ihrer Verpflichtungen als Markenbotschafter des FC Bayern München?
Paul Breitner: Ja. Vielleicht kommt alle zwei Monate auch mal etwas dazwischen und ich kann mal nicht an der Ausgabestelle erscheinen. Meine Frau und ich engagieren uns ja auch in anderen Organisationen, aber der Termin bei der Tafel liegt uns eben sehr am Herzen.

worlds of food: Warum gerade die Münchner Tafel?
Paul Breitner: Der Grund dafür ist ganz einfach: Du kannst anderen Menschen dort unvermittelt Freude bereiten. Bei der Tafel hat man den direkten Kontakt zu demjenigen, dem man etwas Gutes tut. Das ist auch der Unterschied zu einer Spende. Wir wägen sehr genau ab, wo und wie wir helfen und ob es sich dabei wirklich um eine konkrete, direkte Hilfe handelt. Sehen Sie, wir wissen, wo wir herkommen und schauen jeden Tag nach rechts und Links und sehen, was hier schief läuft. Wir haben uns irgendwann entschieden, punktuell und direkt zu helfen und das eben nicht nach dem Gießkannenprinzip zu machen und unser Geld oder unsere Hilfe weltweit zu streuen.

worlds of food: Hat der Blick nach rechts und links denn auch Einfluss auf die Bewertung eigener Probleme?
Paul Breitner: Natürlich, das erdet einen, holt einen immer wieder runter. Wenn man im Laufe der Zeit mehr über die 150 Menschen und ihre Schicksale erfährt, die wir an unserer Ausgabestelle mit den Lebensmittelspenden versorgen, dann relativiert das die eigenen Probleme ungemein. Ein Beispiel: Neulich, noch nicht mal am Monatsende, um den 20. April herum, wollte ich einem unserer Tafel-Gäste einen frischen Salat geben. Der Mann musste dankend ablehnen, weil er kein Öl und keinen Essig mehr und auch nur noch zwei Euro für den Rest des Monats übrig hatte. Das sind Momente, die man in ähnlicher Form immer wieder erleben muss.

3 SchlangeWartende Tafel-Gäste an der neuen Ausgabestelle am Münchner Großmarkt

worlds of food: Entstehen dadurch in gewissen Rahmen auch persönliche Beziehungen zu Ihren Tafel-Gästen?
Paul Breitner: Man kann und darf keine persönlichen Beziehungen aufbauen, weil man ansonsten immer dazu verleitet ist, fünf Euro hier und fünf Euro da zusätzlich zu geben. Wo zieht man dann die Grenze? Auch, um niemand anderen zu benachteiligen. Aber natürlich beschäftigt einen das sehr, wenn alleinerziehende Mütter hart arbeiten gehen und dennoch nicht genug zum Leben haben und auf die Tafel angewiesen sind. Von der Altersarmut bei heutigen Rentnern und vielen anderen Problemen mal ganz abgesehen.

paul breitnerworlds of food: Auch FC Bayern-Spieler Holger Badstuber engagiert sich seit mehreren Jahren aktiv für die Münchner Tafel. Ist von Seiten des Vereines zukünftig ebenfalls eine Zusammenarbeit mit der Münchner Tafel angedacht?
Paul Breitner: Wissen Sie, der FC Bayern ist ohnehin schon sehr engagiert – sicherlich einer der Klubs weltweit, die sich am meisten im sozialen Bereich engagieren – ohne das an die große Glocke zu hängen. Holgers Engagement beruht ebenfalls auf seinem privaten Umfeld, sein Schwiegervater in spe ist einer der Sponsoren der ersten Stunde der Münchner Tafel und Holger ist auch immer bereit, hier mitzuhelfen.

worlds of food: Vielen Dank Herr Breitner und weiterhin viel Erfolg für die Münchner Tafel.

Alle weiteren Informationen zur Münchner Tafel finden Sie hier.


Dieser Beitrag stammt von und dem worldsoffood-Team