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Hinter den Kulissen: Deutschlands größter Pizza-Service worldsoffood.de
Wie entsteht eine Lieferpizza?

Hinter den Kulissen: Deutschlands größter Pizza-Service

Pizza aussuchen, bestellen und essen. So einfach ist das als Kunde eines Pizza-Lieferservices. Doch was passiert während man auf seine Pizza wartet. Wie ist es um die Logistik eines Pizza-Lieferdienstes bestellt und wer garantiert, dass die Pizza immer gleich schmeckt? Wir waren bei Deutschlands größtem Pizza-Lieferanten zu Gast.

An Sonn- und Feiertagen brummt das Geschäft. Die Telefone in den Filialen klingeln vor allem abends im Sekunden-Takt. Auch die gerade zu Ende gegangene Fußball-WM sorgte für ein Umsatzplus. Besonders bei Spielen der Deutschen Nationalmannschaft glühten die Drähte. Der Tag jedoch, an dem das Geschäft mit der Pizza am besten läuft, ist Neujahr. Viele „Silvester-Opfer“ setzen dann keinen Fuß vor die Tür – und offenbar nicht einmal in die eigene Küche, um den Herd anzuwerfen. Praktisch, dass der Lieferservice auch an diesem Tag geöffnet hat, um einem die Mahlzeit bequem nach Hause zu bringen. Solche Dienstleister sind heutzutage kaum mehr wegzudenken. Dabei existiert diese Art der Systemgastronomie in Deutschland noch gar nicht so lange. Angefangen hat alles 1986, als Unternehmensgründer Carsten Gerlach sich während eines USA-Besuches eine Pizza liefern ließ. Frische, heiße Pizzen nach Hause liefern zu lassen – das in Deutschland bis dahin unbekannte Konzept begeisterte Gerlach. Zurück in Hamburg arbeitete er zwei Jahre an der Gründung seines eigenen Pizza-Bringdienstes, suchte Investoren, erarbeitete Rezepte und testete dabei auch immer wieder neue Teigvarianten.

Am 15. April 1988 eröffnete Jungunternehmer Gerlach schließlich den ersten Joey´s Pizza Service in Hamburg. Noch im selben Jahr folgten zwei weitere Filialen in der Hansestadt, es sollte der Anfang einer Erfolgsgeschichte werden. Konnte man die Pizzen anfangs nur telefonisch bestellen, war das Unternehmen auch in Sachen Online-Bestellungen Vorreiter. Schon 1997 konnte man bei Joey´s Pizzen auch per Internet bestellen. Inzwischen werden knapp 45 Prozent der Gerichte online bestellt, Tendenz steigend. Vor allem für die erwähnten „Silvester-Opfer“ ein weiterer Fortschritt: Seither muss man noch nicht einmal ein Gespräch führen, um an Neujahr eine Pizza geliefert zu bekommen.

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Stichwort: Qualitätssicherung

Die größte Herausforderung für das Unternehmen heute ist die Qualitätssicherung. Es gilt, in über 210 Betrieben deutschlandweit immer die gleichbleibende Qualität in Sachen Pizza zu bieten. Über 5.000 Mitarbeiter stellen sich dieser Aufgabe – überwiegend in Franchise-Betrieben. Franchise-Nehmer und deren Mitarbeiter werden dafür in der eigens gegründeten „Joey´s Pizza Akademie“ ausgebildet. Dort nimmt das Unternehmen die Franchise-Partner an die Hand und bildet sie langfristig und umfassend aus. Das Angebot reicht von BWL- und Marketing-Schulungen über Workshops zur Mitarbeiterführung bis hin zum Thema erfolgreiche Betriebsführung. Auch die Rezepte werden vorgegeben. „Nur so können wir garantieren, dass unsere Kunden in jeder Filiale Deutschlands genau die Pizza von uns bekommen, die sie aus einer anderen gewöhnt sind. Deshalb führen wir auch stichprobenartig Qualitätskontrollen bei unseren Partnern durch. Sowohl was die Qualität und die Menge des Belages angeht, als auch die Lieferzeiten“, sagt Matthias Maier, Bereichsleiter Consumer Marketing bei Joey´s.

PizzateigNach dem Kneten muss der Pizzateig noch ruhen. Zum Konzept gehört ebenfalls, dass immer die gleiche Teigmischung in allen Filialen verwendet wird. Diese wird fertig gemischt, säckeweise ausgeliefert und vor Ort mit Wasser angerührt. Sie ist darauf abgestimmt, dass der Teig auch den zugehörigen Transport zum Kunden bestmöglich übersteht. Schließlich soll die Pizza knusprig ankommen.

Wie entsteht eine Lieferpizza?

PizzaDie Pizza auf der WaageDafür, dass eine Pizza Lucifer in Hamburg wie in Kempten gleichermaßen belegt in den Karton kommt, hat man im Hamburger Unternehmen früh ein System entwickelt, nach dem sich alle Filialen richten müssen. Für jede Pizza hängt das genaue „Rezept“ hinter den Schalen mit den Pizza-Zutaten, davor steht eine Waage. Ist der Teig auf dem Pizzablech verteilt, wird die Waage genullt und zunächst, je nach Größe der Pizza, die genau definierte Menge an Tomatensoße hinzugegeben. Anschließend wird genauso mit den weiteren Zutaten verfahren. 60 Gramm davon und 40 Gramm hiervon. Gebacken wird die Pizza auf einem Förderband in einem eigens für das Unternehmen entwickelten Ofen. Fünf bis sechs Minuten dauert es, bis die Pizza den Ofen passiert hat.

Was, wenn es mal länger dauert?

Verpackt wird die fertige Pizza hier – wie bei den meisten Lieferdiensten – übrigens in Pappkartons. So wie alle anderen Speisen, die angeboten werden. Sämtliche Plastikverpackungen wurden konsequent aus dem Unternehmen verbannt. Das passt genauso in das zunehmend nachhaltige Konzept, wie der Einsatz von E-Bikes und Elektrorollern beim Ausliefern der Pizza. Über 700 Fahrzeuge liefern so heute täglich etwa 45.000 Gerichte aus, wie das Unternehmen mitteilt. Mehr als 12 Tonnen Pizzateig werden dafür jeden Tag in den Filialen verknetet. Klar, dass es bei diesen Mengen auch mal zu Lieferverzögerungen kommen kann. „Wir versuchen, jede Pizza innerhalb einer halben Stunde beim Kunden zu haben. Dass das nicht immer klappt, ist klar, vor allem in den Stoßzeiten. In solchen Fällen sind unsere Mitarbeiter am Telefon aber angehalten, die ungefähre Lieferzeit zu nennen. Dann können die Kunden immer noch entscheiden, ob sie tatsächlich bestellen möchten“, sagt Matthias Maier.

An gewissen Tagen empfiehlt es sich folglich, rechtzeitig zu bestellen, um dem aufkommenden Hunger ein Schnippchen zu schlagen. Es muss ja nicht gleich noch am Abend des 31.12. sein, um an Neujahr satt zu werden. Und ganz nebenbei muss es noch nicht einmal das eigene Heim sein, wo man sich die Pizza hinbringen lässt. So haben die Pizzaboten schon werdende Väter im Kreißsaal beliefert und auch die Herrschaften im Bundestag gehören zu den Kunden von Deutschlands größtem Pizza-Lieferservice.

Mehr zum Thema: Interview mit Pizza-Entwickler Andreas Moths

Dieser Beitrag stammt von und dem worldsoffood-Team