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Der Herr der Pizzen im Interview Joey´s
Deutschlands größter Pizza-Lieferant

Der Herr der Pizzen im Interview

Andreas Moths entwickelt Pizzen für Deutschlands größten Pizza-Bringdienst. Wie das vor sich geht und ob man Pizza nicht auch irgendwann satt hat, verrät uns der Diplom-Ökotrophologe im Interview.

worlds of food: Andreas, Sie sind Pizza-Entwickler. Eine Aufgabe, in der man doch eigentlich einen Italiener erwarten würde.
Andreas Moths: Das Produkt Pizza ist inzwischen so international, dass ich es als ganz normal empfinde, in diesem Bereich tätig zu sein. Natürlich haben die Italiener da auch eine hervorragende Basis geliefert. Aber wir entwickeln unsere Pizzen ja nach ganz eigenen Qualitätsansprüchen und müssen auch auf die besonderen Gegebenheiten eines Lieferservices reagieren, weshalb wir natürlich auch unseren eigenen Teig und eigene Grundprodukte wie Tomatensoße ständig weiterentwickeln.

worlds of food: Pizza-Erfinder, das klingt wie ein Traumberuf. Wie kommt man an diesen Job?
PizzaAndreas MothsAndreas Moths: Ich habe in Düsseldorf zunächst eine Ausbildung zum Koch absolviert und anschließend in Hamburg Ernährungswissenschaften studiert. Nach einer kurzen Zwischenstation in der Reis-Industrie bin ich dann vor gut sechs Jahren bei meinem jetzigen Arbeitgeber gelandet. In meinem Bereich bin ich ja auch für den Einkauf und die Beschaffung unserer Zutaten verantwortlich, habe aber außerdem praktische Aufgaben wie die Produktentwicklung und besuche unsere Filialen. Das ist eine spannende Mischung und dadurch wirklich ein Traumberuf.

worlds of food: Wie kommt man denn sechs Jahre lang auf immer neue Pizza-Ideen?
Andreas Moths: Das ist ganz unterschiedlich. Mal kommt ein Lieferant mit einem neuen Produkt auf mich zu. Bestes Beispiel ist hier die Mailänder Salami, die wir neuerdings verwenden, weil sie uns geschmacklich überzeugt hat. Natürlich lässt man sich generell auch von allen Seiten inspirieren. Beim Einkaufen, im Urlaub oder auch durch interessante klassische Zutaten-Kombinationen, die man in einem Restaurant findet und die man sich auch auf einer Pizza gut vorstellen könnte. Das ist auch bei einer aktuellen Aktions-Pizza der Fall. Mir hat die Kombination aus Ziegenfrischkäse, Bacon, Honig und Rosmarin gut gefallen, weshalb wir an der optimalen Zusammenstellung dieser Zutaten gearbeitet haben, bis sie perfekt auf eine Pizza gepasst haben. Grundsätzlich schreiben wir solche Ideen und Zutaten dann erst zusammen, bevor wir sie praktisch ausprobieren.

worlds of food: Unterliegt die Auswahl der Zutaten denn auch ihren jeweiligen Kosten?
Andreas Moths: Natürlich spielt die Wirtschaftlichkeit eine große Rolle, schließlich sind wir für über 200 Filialen und damit auch für zahlreiche Mitarbeiter außerhalb unserer Zentrale in Hamburg verantwortlich. Es nutzt also nichts, wenn die Pizza in der Zubereitung zu kompliziert oder aber im Wareneinsatz und damit auch im Endpreis nicht mehr attraktiv ist. Wir müssen ja auch bedenken, dass bei uns auch die Kosten für die Lieferung im Preis mitinbegriffen sind. Und dahinter steckt wiederum viel Personal und ein großer Fuhrpark – vom Fahrrad, über Elektroroller bis hin zu PKWs. Hinzu kommt, dass wir immer gleichbleibende Qualität in all unseren Filialen bieten wollen. Auch das bestimmt die Auswahl der Zutaten.

worlds of food: Inwieweit spielen Faktoren wie Saisonalität und Regionalität bei der Entwicklung neuer Pizzen eine Rolle?
Andreas Moths: Auch das fließt in die Entwicklung unserer Pizzen ein, ganz einfach weil es viele tolle Produkte eben nur in einer bestimmten Jahreszeit gibt und es schade wäre, auf diese zu verzichten. So werden wir im Herbst auch wieder vermehrt frische Pilze auf unseren Pizzen verarbeiten. Das ist natürlich für die einzelnen Betriebe auch etwas mehr Aufwand, da sie die Zutaten ja vorbereiten müssen, die Pilze beispielsweise reinigen. Das lohnt sich aber. Was regionale Produkte angeht, so versuchen wir, diese so weit möglich zu berücksichtigen. Für unsere Teigmischung verwenden wir zum Beispiel ausschließlich deutschen Weizen.

worlds of food: Haben Sie einen Überblick, wie viel Pizzen Sie schon entwickelt haben?
Andreas Moths: Lassen Sie uns mal nachrechnen: Pro Monat gibt es zwei Aktionspizzen. Für jede Aktion stellen wir jeweils mindestens fünf Varianten vor, aus denen dann zwei Favoriten letztlich ausgewählt werden. Das macht pro Jahr mindestens 60 Pizza-Kreationen. Hochgerechnet kommt da schon so einiges zusammen.

worlds of food: Können Sie dann überhaupt noch Pizza sehen?
Andreas Moths: Ja, klar. Ich esse ja nicht jede dieser Pizzen komplett auf, wir probieren diese im Team und beurteilen sie dann gemeinsam. So bekomme auch ich direktes Feedback, auf das ich reagieren kann.

worlds of food: Zum Abschluss: Mal abgesehen von den allzeit beliebten Pizza-Klassikern wie Salami, Funghi usw.: wie wird die Pizza der Zukunft aussehen?
Andreas Moths: Bei einer guten Pizza muss nicht nur die Güte der Zutaten, sondern auch die Menge des Belages stimmen. Das gilt heute und das wird sich auch in Zukunft nicht ändern.

Dieser Beitrag stammt von und dem worldsoffood-Team