Kochen mit YouTube: Epic Meal Time, die Geschmackssache aus Kanada Epic Meal Time, Screenshot "Fast Food Lasagna"

Kochen mit YouTube: Epic Meal Time, die Geschmackssache aus Kanada

Wer im Internet nach Möglichkeiten sucht, um etwas Abwechslung in sein tristes Küchendasein zu bringen, dem stehen eine Unzahl an Tipps, Tricks und Rezepten zur Verfügung. Die alten Familienkochbücher der Großmütter werden mehr und mehr durch die unendlichen Weiten des World Wide Web verdrängt. Gesund, fleischlos, kalorienarm, mikrobiotisch – alles nur ein paar Klicks entfernt.

Aber manchmal stößt man auch auf Rezepte wie das folgende:

„Man nehme 45 Burger vom Fast-Food-Anbieter seiner Wahl und schichte sie in drei Lagen in eine Backform, vorzugsweise XXXL. Dazwischen lege man Hunderte Speckstreifen, Beutelweise geriebenen Käse und eine Bolognese, angemacht mit Wurst, Fleisch, Speck, und einem guten Schuss Alkohol. Garniert wird das Ganze mit Zwiebelringen, Burger-Sauce und…noch mehr Käse.“

Leser mit hohem Cholesterinspiegel sollten bei diesen Nährwertangaben lieber wegsehen: Die oben beschriebene „Lasagne“ bringt es auf stattliche 71.488 Kalorien und 5.463 Gramm Fett.



Bei den Machern von Epic Meal Time, frei übersetzt „Monumentale Mahlzeit“, wird eben nicht gekleckert, sondern geklotzt. Seit über einem Jahr stellt die Gruppe aus Montreal ihre Küchenkreationen bei YouTube ins Netz. Die Gerichte sind sinnfrei, kreativ und unfassbar kalorienreich, die Videos politisch inkorrekt, aggressiv, aber auch humorvoll. „Man sollte uns nicht zu ernst nehmen“, sagt Harley Morenstein, der die Gruppe mit seinem Freund Sterling Toth gegründet hat und als Gastgeber auftritt. „Wir sind einfach ein paar Typen, die mit Essen verrückte Sachen anstellen.“

Wie kommt man auf eine solche Idee?

Angefangen hat alles mit einem Video vor vier Jahren, das Morenstein beim Verzehr eines XXL-Hamburgers zeigt und mit einigen zehntausend Klicks nicht gerade als großer Wurf bezeichnet werden kann. Trotzdem vermuteten die beiden ein Potential hinter ihrer Idee von Epic Meal Time. „Wir schauten es uns an und dachten, das könnte ein Erfolg werden.“

Die aktuellen Videos laufen nach dem gleichen Muster ab und beginnen entweder beim Kauf der Zutaten im Supermarkt oder – was öfter vorkommt – im Fast-Food Restaurant. Danach versammelt Morenstein seine Helfer in einer Küche und verkündet vollmundig das neueste Projekt, etwa ein mit allerlei Geflügel gefüllter Truthahn, der seinerseits in einem ganzen Schwein zubereitet wird. Gebratener Speck darf dabei natürlich nicht fehlen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, auch wenn sich die Folgen bisher im Wesentlichen auf Fleischgerichte und Nachspeisen beschränken. Gemüse sucht man bei Epic Meal Time sowieso vergebens.

Untermalt von treibender Musik und Videospieleffekten wird schließlich gekocht. „Wir richten uns an die ADS-Internetgeneration, die Kochshows sehen will, die schnell und direkt sind“ sagt Morenstein. Besonders stolz ist er auf den im Hintergrund mitlaufenden Kalorienzähler, mit dem die Mahlzeit quasi „hochgelevelt“ wird. Zum Abschluss werden sie die Kalorienbombe am Ende des Videos dann verzehren – soweit es ihnen möglich ist. Auf Besteck oder Servietten verzichten sie dabei, eingefangen wird die Fressorgie selbstverständlich in Nahaufnahme.

Der Wahnsinn hat Methode

Die Videos lassen ganz sicher so manchem Zuschauer den Appetit vergehen. Aber was mit einem einzelnen Burger begann, ist inzwischen Kult. Die wöchentlichen Videos sind alleine bei YouTube über 150 Millionen Mal angeklickt worden, mittlerweile gibt es für die Fangemeinde T-Shirts mit bekannten Slogans aus der Show. Ihren Erfolg lassen sich Morenstein und Toth gut bezahlen: Die Videos werden durch Werbung finanziert, ihre normalen Jobs haben die beiden längst an den Nagel gehängt. Morenstein hat höhere Ziele: „Niemand stellt Videos bei YouTube ein, ohne sich über TV-Shows oder Filme Gedanken zu machen.“ Erste Kontakte nach Hollywood sind bereits geknüpft.

Den Erfolg erklären sie sich als Gegenbewegung zum Gesundheitswahn in den Medien. „Heutzutage wird so viel Wert auf Biokost gelegt. Wir sind hier und essen das alles, und die Leute essen stellvertretend durch uns.“ Bei Epic Meal Time werden laut Morenstein sogar Vegetarier zum Voyeur.

Immun gegen Kritik

Völlerei also zum Wohle der Menschheit? Kritik an ihren Videos kontern die Macher mit dem Verweis darauf, dass von den Mahlzeiten nichts weggeworfen wird. Was vor der Kamera übrig bleibt, wird danach von Freunden verspeist – und schlecht sei noch niemandem geworden. Aber selbst sie müssen zugeben, dass ihre Essgewohnheiten alles andere als gesund sind. „Anfangs hatten wir nur eine Person, die alles gegessen hat. Aber nach drei Wochen wurde uns klar, dass wir einen Freund verlieren, wenn wir so weitermachen. Seitdem wechseln sich viele Freunde von uns ab.“

Spätestens seit der Dokumentation „Super Size Me“ weiß man, dass dieser Gedanke gar nicht so abwegig ist. Man muss es einem Medienprofi wie Morenstein überlassen, selbst daraus noch etwas Positives abzuleiten: „Die Leute sehen uns und fühlen sich selbst danach besser. Sie denken: Schaut euch die mal an. Lange überleben die das nicht.“ Nun gut, so lange der Respekt den verwendeten Lebensmitteln gegenüber nicht zu kurz kommt…
Dieser Beitrag stammt von und dem worldsoffood-Team