Sybille Schönberger im Interview – Erst die Familie, dann der Beruf worldsoffood.de

Sybille Schönberger im Interview – Erst die Familie, dann der Beruf

Sybille Schönberger wurde 2004 mit 27 Jahren Deutschlands jüngste Sterneköchin. Inzwischen kümmert sich die gebürtige Frankfurterin aber lieber um ihre Familie, gibt Kochkurse und ist als Fernsehköchin aktiv. Im Interview verrät sie, worauf es ankommt, wenn man sich in der Welt der Gastronomie durchsetzen will.

worlds of food: Frau Schönberger, Kochen ist eine Männerdomäne! Stimmt das?
Sybille Schönberger: Irgendwie schon, allerdings gibt es doch auch wahnsinnig viele Frauen, die hervorragend kochen, die Küchencheffinnen sind. Nun lässt es sich aber nicht ändern, dass wir diejenigen sind, die die Kinder bekommen. Und wenn man eine Familie gründen will, wird es bei den Arbeitszeiten im Gastronomiebereich schwer.

worlds of food: War es schwer, sich in diesem Bereich durchzusetzen?
Sybille Schönberger: Nein.

worlds of food: Ein klares Statement…
Sybille Schönberger: Nun ja, das hängt eben vom Typ Mensch ab, der man ist. Man muss auch mal in der Lage dazu sein, zu sagen, wo der Hammer hängt, resolut sein. Wenn man das nicht kann, dann schafft man es auch als Mann nicht, sich in der Küche durchzusetzen.

worlds of food: Nun haben Sie sich nicht nur durchgesetzt, sondern waren äußerst erfolgreich. Sie sind Deutschlands jüngste Sterneköchin, mit 27 Jahren erkochten Sie sich einen Michelin-Stern. Was bedeutet Ihnen dieser Titel nun zwei Jahre später?
Sybille Schönberger: (Lacht) Gefühlte zwei Jahre später. Der Stern ist mir nun schon wichtig. Er hat auch meinen eigenen Anspruch an meine Küche bestätigt. Aber ich habe ihn nicht unbedingt angestrebt. Mir war meine Familie nämlich immer wichtiger, denn die hält auch dann noch zu mir, wenn der Stern oder ähnliche Auszeichnungen mal weg sind. Kann ja sein. Und nach zwei Jahren mit Stern in der Küche kam dann auch schon unser erster Sohn zur Welt und ich denke bis heute, dass es die richtige Entscheidung war, erst einmal im Restaurant aufzuhören.

worlds of food: Ihr Kochstil sei feminin, schrieb der Gault Millau einst. Was ist damit gemeint?
Sybille Schönberger: Heutzutage kochen ja eigentlich alle feminin. Nehmen wir mal Drei-Sternekoch Christian Bau, den ich sehr bewundere: auch dessen Teller wirken, als seien sie von einer Frau angerichtet worden. Der Kochstil ist momentan so. Man sagt ja auch, dass derzeit Gärten auf den Tellern kreiert werden. Viele Spielereien, Blüten, Röllchen. Das war zu meiner Zeit noch nicht so ausgeprägt, da stach ich als Frau wohl femininer heraus, mit meiner Liebe zu den Farben.

worlds of food: Sie sprechen die Farben an, das Malen ist ihr Hobby. Wie wichtig ist Ihnen denn die farbliche Komposition auch bei Ihren Speisen?
Sybille Schönberger: Ganz wichtig. Die Farben sind zuerst da. Mit ihnen entwickele ich ein Gericht. Und sie müssen zunächst zur Jahreszeit passen. Ich habe früher die Menüs immer wieder gewechselt, im Hinblick auf die in der jeweiligen Jahreszeit vorherrschenden Farben. Die schwerste Karte zu schreiben, war dabei übrigens immer jene im April. Da hat man die Farben des Sommers schon im Kopf, aber es gibt sie noch gar nicht wirklich. Der Sommer selbst ist natürlich ein Traum für jemanden wie mich.

worlds of food: Das klingt nach einem klaren Bekenntnis zu regionalen und saisonalen Produkten…
Sybille Schönberger: Absolut! Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah…Das Thema Nachhaltigkeit ist mir dabei enorm wichtig, gerade als Mutter.

worlds of food: Dahin geht der Trend. Aber wie kann man noch mehr Menschen mit dieser Botschaft erreichen? Sowohl Industrie, als auch Verbraucher.
Sybille Schönberger: Ich denke, da sind in erster Linie die Verbraucher gefragt, weil sie entscheiden, was bei uns verkauft wird. Viele interessiert es doch gar nicht, woher die Lebensmittel stammen. Das geht nach dem Motto: Ah, Tomaten, 99 Cent, nehme ich mit. Woher die Tomaten stammen, ob sie mit dem Flugzeug kamen oder ob sie mit irgendwelchen Mittelchen behandelt wurden, stört leider noch immer die wenigsten.

worlds of food: So sammeln Biogurken aus China aber einige Punkte bei Miles&More-Programmen…
Sybille Schönberger: Und sind noch dazu in Plastik verpackt. Das passt nicht zu Bio. Wir achten zu Hause sehr darauf, was wir essen. Natürlich kaufen wir nicht nur das teuerste und feinste, oder nur Bio. Wir mischen das aber ganz gut. Und zum Glück werden es ja langsam mehr, die ebenso handeln. Und je mehr Menschen auf Qualität achten, umso größer wird auch das Angebot an guten Produkten.

worlds of food: Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus. Derzeit haben Sie kein Restaurant, in dem Sie regelmäßig kochen, sind dafür aber in den Medien aktiv, geben Kochkurse für Erwachsene und Kinder. Wird man irgendwann auch mal wieder einen Tisch bei Ihnen bestellen können?
Sybille Schönberger: Kochkurse geben macht mir riesig Spaß und auch bei der Arbeit im Radio und Fernsehen habe ich große Freude. Deshalb plane ich die Zukunft gar nicht so detailliert. Vielleicht haben wir irgendwann in 10 Jahren mal ein kleines Restaurant, wer weiß. Aber meistens kommt ja sowieso alles anders, als man sich das so vorgestellt hat.

worlds of food: Vielen Dank für das nette Gespräch, Frau Schönberger.

Mehr Informationen zu Sybille Schönberger gibt es hier: www.sybille-schoenberger.de

Sybille Schönberger bei Rewe Family


Dieser Beitrag stammt von und dem worldsoffood-Team