20 Jahre Rheingau Gourmet Festival Derk Hoberg -- H.B. Ullrich (li) im Gespräch mit Tim Raue
Genussmomente en masse

20 Jahre Rheingau Gourmet Festival

Festival-Macher Hans B. Ullrich blickt im Gespräch mit worlds of food auf 20 Jahre Rheingau Gourmet und Wein Festival, Freundschaften und die Entwicklung der Spitzenküche in dieser Zeit zurück.

worlds of food: Herr Ullrich, in einem früheren Gespräch sagten Sie uns, dass Sie anfangs nur von Jahr zu Jahr planten. Ich nehme an, vor 20 Jahren dachten Sie auch nicht, dass das Rheingau Gourmet Festival einen solch anhaltenden Erfolg haben würde?
H.B. Ullrich: Wir haben schon etwas längerfristig geplant, aber anfangs stellten wir in jedem Jahr eine andere Region in den Fokus. Wir haben sehr schnell gemerkt, dass uns mit diesem Konzept bald die Themen ausgehen würden. Wir hatten Kalifornien, Italien, Australien und einige andere tolle kulinarische Regionen. Es war jedoch absehbar, dass sich manche Region bald wiederholen würde. Zumal wir es auch für interessanter halten, Spitzenköche und Winzer aus verschiedenen Regionen bei einem Festival präsentieren zu können.

worlds of food: Haben sich denn in all den Jahren Freundschaften zu Köchen und Winzern entwickelt?
H.B. Ullrich: Ja, zu einer ganzen Menge an lieben Menschen haben sich gute Freundschaften entwickelt. Das ging damals los mit Thomas Keller, dem legendären Koch aus dem New Yorker Per Se, der beim ersten Festival 1997 bei uns kochte. Er war damals noch ein vollkommen unbeschriebenes Blatt, aber mir haben sein Auftreten, seine Persönlichkeit und seine Philosophie sehr gut gefallen. Wir haben ihm damals ein Auto samt Fahrer zur Verfügung gestellt, er hatte den Wunsch geäußert, zu Westermann nach Straßburg und zu Bocuse nach Lyon zu fahren. In der Rückschau war es natürlich eine goldrichtige Entscheidung, ihn einzuladen und zu unterstützen. Denn nun, viele Jahre später, ist er der absolute Superstar in den USA. Und er hat unser Vertrauen zurückgezahlt und kam insgesamt vier Mal zu uns. So etwas macht einen auch ein wenig stolz.

worlds of food: Haben Sie ihm denn auch mal einen Gegenbesuch abgestattet?
H.B. Ullrich: Ja klar, ich habe ihn sowohl in seinem damaligen Restaurant – der The French Laundry in Napa Valley – besucht als auch später im Per Se in New York. Das waren immer großartige Erlebnisse.
Kronenschloesschen

worlds of food: Nun besticht das Rheingau Gourmet Festival neben dem großen Aufgebot an Sterneköchen und Spitzenwinzern vor allem durch seine familiäre Atmosphäre. Wie wichtig ist diese Ihnen persönlich?

H.B. Ullrich: Das ist mir ungemein wichtig! Und zwar nicht nur beim Festival selbst, denn das dauert ja nur gut zwei Wochen, sondern das ganze Jahr über hier in unserem Team im Kronenschlösschen. Wir haben 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ich wünsche mir, dass wir eine eingeschworene Gemeinschaft sind. Das gelingt uns in meinen Augen recht gut und das spürt auch der Gast. Genauso verhält sich das natürlich mit den Winzern und Köchen, die beim Festival zu Gast sind. Da ist ein kollegiales, ja freundschaftliches Verhältnis enorm wichtig für einen reibungslosen Ablauf. In diesem Zusammenhang habe ich übrigens die Erfahrung gemacht, dass je berühmter oder je höher dekoriert ein Koch ist, umso umgänglicher ist er. Häufig verbringen die Spitzenköche ja zwei bis drei Tage hier und stellen sich dann nicht nur für ihr eigenes Menü in die Küche, sondern unterstützen ganz selbstverständlich auch andere Kollegen. Ich denke, das unterscheidet uns auch deutlich, von den vielen anderen Festivals, die es von Athen bis Zagreb gibt. Zumal bei uns alles an einem Ort, bei uns im Hotel stattfindet. Hier wird man sozusagen heimisch und jeder kommt mit jedem in Kontakt. Da muss man keinerlei Berührungsängste haben.

Ullrich Elverfeldworlds of food: Besuchen Sie denn andere Festivals, um sich zu informieren?
H.B. Ullrich: Nein. Ich besuche weder andere Festivals noch vorab die Restaurants, deren Küchenchefs wir einladen. Ich kenne die Köche und ich weiß, deren Leistungen einzuschätzen, da ich inzwischen generell nur Chefs einlade, die eine weltweite Reputation haben. Damit bin ich in den allermeisten Fällen auf der sicheren Seite.

worlds of food: Wie hat sich denn die Spitzenküche Ihrer Meinung nach entwickelt in den vergangenen 20 Jahren?
H.B. Ullrich: Die gehoben Küche hat sich in diesem Zeitraum drastisch verändert. Wenn ich mich zurückerinnere, waren die Portionen vor 20 Jahren noch relativ groß und es wurde mit viel Butter gekocht. Das ist es heute doch wesentlich verträglicher und das ist auch auf die verbesserten technischen Möglichkeiten in der Küche zurückzuführen. Wenn Sie heute nach einem Sechs-Gänge-Menü aufstehen, dann haben Sie ein wunderbares Gefühl. Nicht, dass Sie gerade zu viel oder in übertriebenem Maße gegessen haben, sondern, dass Sie gerade sechs tolle Kreationen genossen haben.

worlds of food: In diesem Sinne, Herr Ullrich – auf 20 weitere genussvolle Jahre!
H.B. Ullrich: Vielen Dank!

raue elverfeldGenussmomente 2016: Links: Zander von Tim Raue. Rechts: Rinder-Onglet von Sven Elverfeld

Weitere Informationen: www.rheingau-gourmet-festival.de
Dieser Beitrag stammt von und dem worldsoffood-Team