Interview Natalie Lumpp – Meinen Mann habe ich zum Wein bekehrt beide Bilder: Klaus Hennig-Damasko
Essen und Trinken

Interview Natalie Lumpp – Meinen Mann habe ich zum Wein bekehrt

Natalie Lumpp ist Deutschlands bekannteste Wein-Expertin. Wir trafen sie beim Rheingau Gourmet und Wein Festival, bei dem sie einen kulinarischen Abend moderierte. Im Interview verrät sie, wie sie schon als Teenager zum Wein kam und warum sie den Wein niemals über hat.

worlds of food: Frau Lumpp, man liest, Sie entdeckten bereits als Teenager den Wein für sich. Wie muss man sich das vorstellen?
Natalie Lumpp: Das ist eigentlich nicht ganz jugendfrei. Meine Eltern haben schon immer zum Essen ein Glas Wein getrunken, da habe ich als Teenie und Jugendliche immer mal wieder gefragt, ob ich mal probieren darf, mal am Glas nippen. Ich habe damals schon entdeckt, dass die Weine jedes Jahr unterschiedlich schmeckten und das hat mich fasziniert. Ich hatte dann sogar den Berufswunsch Winzerin, wovon mir meine Eltern aber abgeraten haben. So bin ich in der Gastronomie gelandet und galt dort gleich als „Weinverrückte“.

worlds of food: Verlief Ihre gastronomische Ausbildung von Anfang an mit dem Schwerpunkt Wein?
Natalie Lumpp: Im Prinzip habe ich zunächst eine Ausbildung zur Hotelfachfrau absolviert. Aber ich war von Anfang an für meine Liebe zum Wein bekannt. Als ich mit 18 meinen Führerschein bekam, machte ich als allererstes eine Tour ins Burgund, weil ich die Burgunder Weine so toll fand. Als ich dann Anfang 20 war, war der Wein noch immer eine reine Männerdomäne, nur zwei Frauen hatten sich bis dahin einen Namen in dieser Szene gemacht, Paula Bosch und Claudia Schlegel. Ich hatte dann das Glück, schon früh einige Weinwettbewerbe zu gewinnen, das hat mein Selbstbewusstsein gefördert.

lumpp1worlds of food: Wie wichtig ist die Ausbildung in Spitzenhäusern, in denen Sie waren. Ist es in dieser Branche anders nicht möglich, sich einen Namen zu machen?
Natalie Lumpp: Ich kann nicht von vorneherein sagen, dass es immer ein Spitzenhaus sein muss. Aber klar, in einem qualitativ guten Haus lernt man auch mehr. Gerade bei Sommeliers ist die Praxis das Wichtigste und wo hat man die Gelegenheit, täglich solch tolle Weine zu verkosten wie in der Spitzengastronomie.

worlds of food: Empfehlen Sie das auch den Menschen, die Sie fragen, wie man Sommelier wird?
Natalie Lumpp: Ja, natürlich. Wir haben auch tolle Sommelier-Schulen, aber die nötige Praxis bekommt man eben nur in Häusern mit guten Sommeliers und tollen Weinkarten.

worlds of food: Verfügen Sie denn über eine besondere Sensorik?
Natalie Lumpp: Bei Sommeliers liegt vieles ja am Training. Aber eine gewisse Begabung gehört schon dazu, sowohl was das Riechen als auch das Schmecken angeht. Ich bin zum Beispiel sehr empfindlich auf flüchtige Säure, die die meisten Menschen gar nicht mitkriegen. Das riecht wie Essig und ist im Labor auch messbar, aber die meisten merken es nicht.

worlds of food: Wie viele Kolleginnen haben Sie denn inzwischen? Wächst die Zahl der Frauen beim Thema Wein?
Natalie Lumpp: Das hat sich in den vergangenen 20 Jahren grundlegend gewandelt. In der Sommelier-Union herrscht inzwischen ein fast ausgeglichenes Verhältnis zwischen Männern und Frauen, dort sind wir fast 50 Prozent Damen. Das gleiche erleben wir auch bei den Winzern, wo immer mehr Frauen Wein machen und auch beim Einkauf, denn inzwischen kaufen Frauen auch mehr Wein als Männer.

worlds of food: Gut, das mag daran liegen, dass viele Frauen kein Bier mögen. Steht bei Ihnen denn auch mal ein Bier auf dem Tisch?
Natalie Lumpp: Nein, eigentlich nicht. Beim Radfahren mal ein Radler, aber das war es. Als ich meinen Mann kennengelernt habe, hatte er immer mal eine Kiste Weißbier im Haus. Aber ihn habe ich auch bekehrt – wobei ich auch jedem sein Bierchen gönne.

worlds of food: Gibt es eine Rebsorte, die Sie noch nicht getrunken haben?
Natalie Lumpp: Also ich bemühe mich schon, alles zu probieren. Ich reise ja auch viel und versuche, alles kennenzulernen. Aber nehmen wir das Beispiel Portugal: Alleine dort gibt es mehrere hundert autochthone Rebsorten, die kann ich natürlich nicht alle kennen. Meine nächste große Tour ist für China geplant, das ist inzwischen weltweit das fünftgrößte Weinbau-Land. Das ist auch spannend, weil es immer wieder Neues zu entdecken gibt.

worlds of food: Haben Sie Angst, irgendwann einmal „Wein-müde“ zu werden.
Natalie Lumpp: Da entgegne ich Ihnen eindeutiges Nein! Jeder der mich kennt, kennt auch meine Begeisterung dem Wein gegenüber. Und je mehr man sich damit beschäftigt, umso mehr gibt es zu erfahren und desto mehr Facetten erwarten einen bei diesem Thema. Das wird nicht langweilig.

worlds of food: Zum Abschluss: Wie groß ist Ihr Weinkeller?
Natalie Lumpp: Ich habe meine Wohnungen schon immer nach den Möglichkeiten ausgewählt, einen angemessenen Weinkeller einrichten zu können. Inzwischen haben wir ein schönes altes Haus mit einem Naturkeller, in dem wir einen Weinkeller einrichten konnten, wie man ihn sich vorstellt. Dort werden inzwischen so etwa 2.000 Flaschen lagern. Mein Mann fragt mich dann schon immer, wann ich das denn alles trinken möchte, wenn ich wieder einmal von einem Winzer mit einer weiteren Kiste Wein nach Hause komme. Aber ich verschenke mittlerweile eben auch nur noch Wein. Einmal habe ich eine Vase verschenkt, da waren alle enttäuscht, denn die Leute erwarten inzwischen guten Wein von mir.

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Dieser Beitrag stammt von und dem worldsoffood-Team