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Die Okinawa-Diät – Von den Alten lernen?

Die Bewohner der japanischen Okinawa-Inseln haben die weltweit höchste Lebenserwartung. Doch wie genau ernähren die sich? Und inwiefern ist diese Ernährungsform für Europäer ratsam? Eine nach der Inselgruppe benannte Diät gibt es jedenfalls schon.

86 Jahre beträgt die Lebenserwartung einer Bewohnerin der japanischen Okinawa-Inseln, einheimische Männer können im Schnitt immerhin noch ihren 78. Geburtstag feiern – nirgendwo auf der Welt werden Menschen älter. Da ist es fast nur logisch, dass auf Okinawa auch die meisten Menschen über 100 Jahre leben. Neben Umwelteinflüssen und genetischen Faktoren haben Forscher vor allem die Ernährungsgewohnheiten als Ursache für das gesunde Altern der Menschen vor Ort ausgemacht.

So ernähren sich die Bewohner Okinawas

Der Lebensstil der Menschen auf Okinawa wurde ausführlichen Analysen unterzogen. Generell kam man zu dem Schluss, dass sich die Bewohner Okinawas ballaststoffreich, kalorienarm und nahe am Vegetarismus ernähren: Nicht Fleisch, sondern Tofu und Fisch die wichtigsten Eiweißlieferanten. Auch Hülsenfrüchte, Nüsse und Milchprodukte stehen häufig auf dem Speiseplan. Weiterhin stellte man fest, dass Weißmehl- und zuckerhaltige Produkte einen deutlich geringeren Stellenwert einnehmen als in Europa oder Nordamerika. Seefisch (reich an Omega-3-Fettsäuren) und Rapsöl sind die Fettquellen Nummer eins. Nicht von ungefähr sind Gefäßverkalkung und Bluthochdruck bei den japanischen Inselbewohnern ein kleineres Problem als in Europa oder den USA.
Hinzu kommen ein hoher Soja-, Kohl-, Sprossen- und Algenanteil in der Nahrung. Eine ausreichende Versorgung mit sekundären Pflanzenstoffen soll damit sichergestellt sein. Für eine schnelle Sättigung sorgt ein hoher Anteil von Ballaststoffen in der täglichen Ernährung. Ein letzter großer Unterschied zur westlichen Ernährung ist der weitgehende Verzicht auf Salz. Stattdessen werden viele Speisen mit Kräutern oder Ingwer garniert.

Die Okinawa-Diät

Es dürfte niemanden verwundern, dass es mittlerweile längst ein Diät-Konzept gibt, das sich an den Ernährungsgewohnheiten auf Okinawa orientiert. Die so genannte „Okinawa-Diät“ ist jedoch letzten Endes ein Etikettenschwindel: Sie orientiert sich mehr als das „Original“ an der Kaloriendichte (Kaloriengehalt pro Gramm) der Lebensmittel und weniger an den enthaltenen Nährstoffen.

Abnehmwillige dürften demnach unbegrenzt Lebensmittel mit einer extrem niedrigen Kaloriendichte von 0,7 zu sich nehmen. Hierzu zählen Wasser, Tee, Gurke, Algen oder Äpfel. Lebensmittel mit einer Kaloriendichte von bis zu 1,5 (z.B. Kartoffeln, Reis, Geflügel oderweißer Fisch) dürfen nur in Maßen konsumiert werden. Selten sollten fetter Fisch oder Brot gegessen werden; Süßspeisen, Butter oder Öl am besten gar nicht.

Okinawa-Diät bietet Angriffsfläche

Spätestens hier erkennt man den Unterschied zwischen der Diät und der tatsächlichen Lebensweise der japanischen Inselbewohner. Die „Okinawa-Diät“ ist eine kalorien- und vor allem fettreduzierte Ernährungsform. An gesunden ungesättigten Fetten, wie sie beispielsweise in vielen Seefischen und einigen Ölen enthalten sind, wird gespart – weil diese eine zu hohe Kaloriendichte aufweisen. Ein dickes Kalorienminus erscheint so möglich, zumal die Ballaststoffe für eine rasche Sättigung sorgen.

Dennoch: Die Gefahr besteht, dass die Ernährung sehr nährstoffarm ausfällt. Ferner ist eine massive Kalorienersparnis zwar relativ zu erreichen, doch dies sollte man nicht uneingeschränkt sehen. Indem man nämlich seinen Körper zu sehr auf Sparflamme setzt, signalisiert man ihm einen Mangel. In der Folge wechselt er in den „Energiesparmodus“ und baut zunächst Muskulatur ab, bevor es an die Fettpolster geht. Ein Gewichtsverlust lässt sich so zwar erzielen, doch der Körper verliert auf diese Weise das „falsche“ Gewicht. Doch es kommt noch schlimmer: Sobald Du wieder anfängst, wie vor der Ernährungsumstellung zu essen, schlägt der Jojo-Effekt eiskalt zu, weil der Körper jede verfügbare Energie in Form von Fettpolstern für die potenzielle nächste Hungersnot einlagert.


Dieser Beitrag stammt von und dem worldsoffood-Team